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Dienstag, 01. Dezember 2009 - 10:08 Uhr von Danja Antonovic
DER SCHRANK, DER RETTER

Der Hörfunkarbeiterin fern der Heimat fällt es besonders schwer einen guten Ton  zu zaubern, der die Arbeitgeber überzeugt. Denn das, was in Deutschland „über den Sender geht“, entsteht in Hausarbeit.



Die üppigen, gut gepolsterten, muckmäuschenstillen Studios des NDR und WDR, in denen die Radiotöne entstehen, gehören längst der Vergangenheit. Auch die Butzen von Radio Belgrad, die man hier Studio nennt, sind nicht mehr aktuell.  Denn: kein Schwein geht mehr ins Studio.


Der Radiomensch, vor allem wenn er in der Auslandspampa sitzt, macht heutzutage alles selbst. Der erste Schritt des entstehenden Radiobeitrags beginnt wie eh und je: die Person, die etwas zu sagen hat, wird interviewt. Doch ab hier ist alles anders, als es einmal war: kein Tontechniker steht bereit, der Toningenieur auch nicht. Und von einem Studio kann man nur noch  in den stillen Nächten träumen. Der Reporter macht sich an die Arbeit, speichert das Gespräch im Computer ab, wählt aus den Tönen aus, was in die Reportage eingebaut wird, schnippelt das Ganze mit einem entsprechenden Schnittprogramm ab, schreibt den dazugehörigen Text, druckt ihn aus.


Der Text soll nun gesprochen werden, möglichst, eben, in Studioqualität der Heimatsender.


Leichter gesagt, als getan.


Denn, die Aufnahme findet in den heimischen vier Wänden statt, zwischen Klo und Küche, je nachdem, welcher Raum die bessere Akustik vorzuweisen hat. Mein Belgrader Domizil hat große Atelierfenster und keine Gardinen, hohe Wände und keine „raumschluckenden“ Gegenstände. Am Schreibtisch surrt der Laptop, in Klo und Küche hallt es wie in den Alpen.


Was tun?


In den Schrank gehen. Das Mikrofon zwischen Wintermantel und Sommerhose placieren, Klemmlämpchen einschalten, loslegen und hoffen, dass die Katze nicht in diesem Moment in den Schrank will.



Geschafft.


Die Tonqualität wird gelobt, die Methode In-den-Schrank-gehen hat sich mittlerweile rumgesprochen. Die Kollegin vom Deutschlandradio lacht sich schlapp: „Nee, so was habe ich noch nicht gehört. Von Eierkartons war schon die Rede, von dicht zugezogenen Gardinen, aber diese Variante ist mir bis jetzt unbekannt gewesen“.


Ja, mir auch, aber Not macht eben erfinderisch.


 


 



 
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