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Mittwoch, 20. Januar 2010 - 07:00 Uhr von Hilja Müller
Gänsehaut auf dem Schulweg

Bei der Recherche für eine Geschichte über Japans schlappe Geburtenrate hat mir eine der befragten Mütter neulich ganz landesuntypisch aufrichtig ihre Meinung gesagt: “Kindheit in Japan, das ist kein Spaß”, seufzte sie. Bereits in den pre-schools ginge es um Leistung und Talent. Um danach in gute Schulen zu kommen, müssen die Kinder schwierige Aufnahmetests bestehen. Zur Vorbereitung pauken die kleinen Japaner wochenlang mit einem Tutor. Haben sie die Tests geschafft, sind die Eltern glücklich und die kids erschöpft. Doch Ausruhen ist nicht. In den Schulen wird viel gefordert und wer nicht mitkommt, muss wieder mit einem Tutor nachsitzen. Die Eltern kostet das alles Geld, sehr viel Geld. Vom Staat gibt es bisher nur läppische finanzielle Unterstützung für den Nachwuchs. “Das reicht nicht einmal für die Windeln”, sagte mir eine andere Mutter.


 Teuer sind auch die Schuluniformen, mit denen sich Japans Lehranstalten optisch voneinander abgrenzen. Da gibt es unauffällige graue Anzüge mit Schullogo und Krawatte – die perfekte Vorbereitung aufs Berufsleben. Richtig neckisch sehen hingegen die Kleinen aus, die in einer marineblauen Matrosenuniform mit goldenen Knöpfen und schickem Hütchen unterwegs sind.  Auch meine Kinder tragen Uniform. Blau-rotes Schottenmuster fürs Kleid, weiße Bluse, blaue Strumpfhose, schwarze Schuhe. Nicht gerade der Mode letzter Schrei, aber es ist ja ohnehin Winter und die dicken Jacken geben kaum etwas von der Uniform frei.


So mancher einheimische Knirps ist da schlechter dran. Selbst wenn die Temperaturen am Gefrierpunkt kratzen, staksen einige Steppkes mit kurzen Hosen oder Röckchen und Kniestrümpfen zur Schule. Eine Winterjacke? Fehlanzeige, der Popeline-Blazer muss reichen. Mütze, Handschuh, Schal? Nix da. Nebenher tippelt die Frau Mama, warm gewandet im Wollmantel und Fellstiefeln. Ist aber keine Strafaktion für einen unartigen Filius, sondern, man glaubt es kaum, rigide Schulpolitik. Ja, in Japan dürfen die Schulen sogar bestimmen, ob Kinder frieren oder nicht. Allein der Anblick der nackten Kinderbeine lässt mich frösteln.


 Mit dem Spaßfaktor scheint es für Nippons Nachwuchs wirklich nicht so weit her zu sein.  

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