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Donnerstag, 22. Juli 2010 - 04:28 Uhr von Julica Jungehülsing
"the Stuff of real life" - Politiker oder Pürrierstäbe?

Manch Kurioses passiert, glaube ich, so nur in Australien, im Land der Eier legenden Schnabeltiere. In Australien zum Beispiel steht auf Nicht-Wählen 100 Dollar Strafe, man hat aber nur 3 Tage nach Ankündigung einer Wahl, sich ins Wählerverzeichnis eintragen zu lassen. Zackzack. Noch schneller fliegen Premierminister raus, wie Kevin Rudd erlebte, als ihn Ende Juni seine Labor-Parteikollegen über Nacht entmachteten.



Seither ist seine Ex-Vize Julia Gillard (Foto links) am Ruder und die will nun, auch ruckzuck logisch, neu wählen lassen, und zwar am 21. August. Und damit leiten wir elegant zum Konflikt zwischen Küche und Kabinett über.


Denn vor der Wahl muss Gillard natürlich mit Gegner Tony-'Klimawandel-ist-Blödsinn'-Abbott im Fernsehen über die ein oder andere politische Priorität diskutieren. Dieser Top-2-Talk wird traditionell vom National Press Club organisiert und gern gesehen. Und selbst im Land der Schnabeltiere finden solche TV-Debatten sonntagabends zur so genannten 'Prime Time' statt. Und hier ist das Problem.



Denn um 7.30  läuft gleichzeitig eine Kochschau. So eine Art 'Australien sucht den Superkoch', mit fiesem um die Wette dünsten, Garnelen an Limonengrass und fliegenden Pürrierstäben. Glaube ich. Ich geb zu, ich hab Masterchef noch nie gesehen, bin damit aber offenbar fast allein im Land, denn mehrere Millionen Australier machen genau das jeden Sonntag um 7.30 Uhr


Zum Glück werden sie auch am 25. Juli diesem friedlichen Hobby frönen können, ohne zur Unzeit von Hässlichkeiten wie Verschuldung, Klimawandel oder Flüchtlingsfragen abgelenkt zu werden. Denn die TV-Debatte der potentiellen Regierungschefs wurde zuliebe der populären Küchenchefs verschoben. Dank Meisterkoch heißt es diesmal auf Channel 7 schon um 6.30 Uhr: 'Election 2010: The Great Debate', die Nachrichten fallen aus. Gekocht wird wann immer gekocht wird, um 7.30 Uhr.


Die Premierministerin war offenbar glücklich mit der Lösung:   



“It says something about the stuff of real life,” sagte Gillard einem Radiosender in Sydney zum Konflikt zwischen Küchen- und Politikerlatein. “Leute interessieren sich dafür, wer Premierminister ist und wer regiert, aber Leuten ist auch ziemlich wichtig, was abends auf den Tisch kommt.' Einsichten von ähnlich ergreifender Tiefe gab Frau Gillard auch im ABC zum Besten: 'Australien ist ein großartiges Land' so die derzeitige und eventuell künftige Regierungschefin, 'und eines der Dinge, die hier möglich sind, ist, dass man wählen kann, was man im Fernsehen ansieht.' (Und das ist noch nicht mal sehr frei übersetzt.) Guten Appetit. 

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