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Donnerstag, 19. April 2012 - 10:54 Uhr von Ruth Kinet
Der Holocaust Gedenktag sollte als "Tag der Freude" gefeiert werden, fordert Yoram Kaniuk, der Schriftsteller und Querdenker, am heutigen Yom haShoah in der Zeitung "Haaretz". Und begründet diese Provokation damit, dass "zehntausende Menschen die Shoah überlebten, zum Leben zurückkehrten, Kinder und Enkel großzogen." Kaniuk hier gedanklich zu folgen, tut weh. Weil er die Trauer über die millionenfachen Qualen und das unfassbare millionenfache ...
Sonntag, 19. Februar 2012 - 21:46 Uhr von Ruth Kinet
Alle reden vom Krieg. Auch Ido, der Besitzer des Palais des Thés, auf der Ecke Dizengoff Gordon. Er hat schon 5000 Dollar Bargeld bereitgelegt für den Ernstfall. Denn im Kriegsfall ist "cash king", sagt Ido. Auch Cracker und Dosennahrung auf Vorrat hat er eingekauft. Flugtickets bucht er aber erst, wenn die Sache konkreter wird. Ido rechnet damit, dass es im Mai, Juni los geht mit dem israelischen Präventivkrieg gegen den Iran. Und in der Zwischenzeit ...
Montag, 06. Februar 2012 - 10:49 Uhr von Ruth Kinet
Im Konflikt mit den Palästinensern ist die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu noch nie um einen destruktiven Vorschlag verlegen gewesen. Die neueste Idee zur nachhaltigen Vergiftung der Beziehungen mit den Palästinensern kommt aus dem Hause von Bildungsminister Gideon Sa'ar. Der Parteifreund Netanjahus vom Likud hat angekündigt, mehrere Millionen Schekel für ein Programm zur Stärkung der jüdischen und zionistischen Werte lockermachen ...
Freitag, 14. Oktober 2011 - 02:39 Uhr von Julica Jungehülsing
Religion ist schon eine kuriose Sache. Ich beispielsweise bin (trotz 9 Jahren auf einer Klosterschule) eher unreligiös, wohne aber in einer für gläubige Juden ausgesprochen wichtigen Gegend: Mitten in einem Eruv (eine Art Sabbath-Erlaubniszone, erkläre ich gleich). Leser, die wissen, dass ich an dem Stück Sand wohne, das auch als “Australia’s most famous beach” vermarktet wird, mögen sich wundern: Das lasterhafte Strandparadies ...
Donnerstag, 01. September 2011 - 12:16 Uhr von Ruth Kinet
  "Rothschild, Ecke Tahrir" steht auf dem Betttuch, das seit mehr als einem Monat zwischen zwei Ästen eines Baumes über einem rot getünchten Freiluft-Zimmer auf dem Tel Aviver Rothschild Boulevard aufgespannt ist. Das Rothschild-Protestcamp liegt heute verlassen da. Das Spruchband schaukelt geräuschlos im Wind hin und her. Es ist der 1. September, das neue Schul- und Kindergartenjahr beginnen heute in Israel. Eltern ...
Dienstag, 15. Februar 2011 - 13:07 Uhr von Birgit Kaspar
Die westlichen Demokratien haben sich bei der tunesischen wie der ägyptischen Revolution gründlich blamiert. Sie hinkten hinter den Ereignissen her, wanden sich in Schmerzen mit vorsichtigen Statements. Ging es doch schließlich darum, den Diktatoren und Unterdrückern die Unterstützung zu entziehen, die sie seit Jahrzehnten in ihren Palästen gehalten hatte. Völlig ungeachtet der Tatsache, dass man in politischen ...
Samstag, 16. Oktober 2010 - 18:15 Uhr von Ruth Kinet
  Es reicht! Das ständige Flackern des Halogen-Strahlers in meiner Küche treibt mich in den Wahnsinn. Ich weiß nicht, ob der ungleichmäßige Stromfluss in Tel Aviv daran Schuld ist oder der letzte Stromausfall, ich weiß nur, dass es mir reicht. Ich rufe Nissim an. Nissim ist mein Retter. Er löst jedes noch so knifflige Elektrizitäts-Problem. Und darum gebührt ihm eine Hommage.  Zunächst ...
Donnerstag, 16. September 2010 - 21:50 Uhr von Ruth Kinet
  In Israel hat der Winter begonnen. Das Thermometer zeigt tagsüber in Tel Aviv zwar noch immer 30 Grad an und 27 Grad in der Nacht, aber formal ist hier jetzt Winter. Auf Wunsch der religiösen Parteien im Lande wurde wenige Tage vor dem Versöhnungsfest Jom Kippur der Sommer offiziell beendet. In der Nacht vom 11. zum 12. sind die Uhren eine Stunde zurückgestellt worden. Die Winterzeit soll den religiösen Juden ...
Mittwoch, 15. September 2010 - 00:24 Uhr von Birgit Kaspar
Hätten Sie vielleicht ein paar Euro übrig? Es dürfen auch Dollar sein. Für einen guten Zweck, versteht sich. Zum Beispiel dafür, dass sechs libanesische Soldaten nicht bei nahezu 40 Grad Celsius am Straßenrand stehen und auf Hilfe warten müssen, weil ihnen wieder mal der Sprit ausgegangen ist. Oder weil ein Truppentransporter auf den holprigen Strassen im Südlibanon oder an der Grenze zu Syrien zusammengebrochen ...
Freitag, 06. August 2010 - 04:33 Uhr von Ruth Kinet
  Weite Teile der ultra-orthodoxen Community feiern in diesen Tagen die Abschiebung von 400 Kindern so genannter Fremdarbeiter als „Schritt in die richtige Richtung“. Die drei Zeitungen der nationalreligiösen Allianz in der Knesset, Vereinigtes Torah Judentum, sind erleichtert darüber, dass der „jüdische Charakter Israels“ nicht länger von Fremdarbeiter-Kindern in Gefahr gebracht wird. In einem ...
Donnerstag, 15. Juli 2010 - 22:11 Uhr von Ruth Kinet
  Im liberalen Tel Aviv machen Rabbiner in diesen Tagen gegen illegale Einwanderer mobil. Sie warnen israelische Bürger in Zeitungsannoncen davor, Wohnungen an Ausländer ohne Aufenthaltsgenehmigung zu vermieten. Nach jüdischem Recht sei es verboten, Wohnraum an derlei „aliens“ zu vergeben. Wer gegen dieses Recht verstoße, bringe sich in Gefahr, dräuen die Autoren des Anzeigentexts. Sie setzen sich aus ...
Donnerstag, 15. Juli 2010 - 01:44 Uhr von Birgit Kaspar
Der Anfang Juli in Beirut verstorbene schiitische Großajatollah Mohammed Hussein Fadlallah hat uns über seinen Tod hinaus noch einige Lehren mit auf den Weg gegeben. Nicht zuletzt, dass es mit der Meinungsfreiheit auch im Westen nicht sehr weit her ist, wenn es um eine berühmte und umstrittene Figur wie Fadlallah geht. Zudem eine, welche die israelische, die amerikanische und die britische Regierung als „Erz-Terroristen“ ...
Samstag, 15. Mai 2010 - 20:45 Uhr von Ruth Kinet
  Vor der israelischen Mittelmeerküste planscht in diesen Tagen ein Grauwal umher. Die israelische Öffentlichkeit ist berückt, die hiesigen Wissenschaftler fassungslos. Aviad Scheinin, der Leiter des israelischen Meeressäugetierforschungszentrums, spricht von einem „unglaublichen Ereignis“ und „einer der bedeutendsten Beobachtungen von Meeressäugetieren überhaupt“. Im Nord-Atlantik sei ...
Freitag, 16. April 2010 - 06:00 Uhr von Ruth Kinet
  Ausländische Reporter genießen in Israel kein hohes Ansehen. Zu unabhängig ist ihre Berichterstattung. Sie fahren nach Gaza und in die Westbank und berichten von der anderen Seite der Mauer. Das ist nicht im Interesse der israelischen Regierung, die alles in ihrer Macht stehende tut, damit Israelis und Palästinenser einander nicht wahrnehmen, einander nicht begegnen: Israelis dürfen die Städte ...
Dienstag, 16. März 2010 - 08:47 Uhr von Ruth Kinet
  Um sechs Uhr morgens brachten sich die Ersten in Stellung. Sie wollten ganz vorne dabei sein, wenn sich fünf Stunden später, an diesem historischen 11. März 2010, die Tore zum Tempel des schwedischen Billig-Chics öffnen würden, die Tore zum ersten H&M Flagship Store Israels. 2.000 Quadratmeter Europa, mitten in Tel Aviv, im dritten Stock des Azrieli Centers.  Es ging nicht gerade vornehm zu an diesem 11. ...
Dienstag, 16. Februar 2010 - 08:50 Uhr von Ruth Kinet
  Vorgestern war ich am „Kikar Hamedina“. Der „Kikar Hamedina“ wäre gerne die „Place Vendôme“ von Tel Aviv. Hier haben Louis Vuitton, Prada und Yves Saint Laurent ihre Dependencen. Aber der „Kikar Hamedina“, der „Platz des Staates“,  ist nicht elegant. Er sieht eher aus wie ein Ort auf dem Mond. Die teuren Boutiquen gruppieren sich um ein riesenhaftes staubiges Rund ...
Mittwoch, 16. Dezember 2009 - 08:57 Uhr von Ruth Kinet
Im Geburtsland Jesu ist das Weihnachtsfest Anlass zum Kulturkampf. Denn im jüdischen Staat wird fast zeitgleich das jüdische Lichterfest Chanukka gefeiert. Mit einer Chanukkiah, die Platz bietet für acht Kerzen plus eine, einem Kreisel (Sevivon), auf dem die Buchstaben Nun, Gimel, Hej und Pej (für „ness gadol hajah poh“, „ein großes Wunder ist hier geschehen“) eingeprägt sind, und natürlich ...
Dienstag, 15. Dezember 2009 - 14:58 Uhr von Birgit Kaspar
Da saß ich gemütlich bei einer Tasse Tee mit einem Diplomaten zum Hintergrundgespräch in einem Café, als wir plötzlich von einem fürchterlichen Knall aufgeschreckt wurden. Es klang wie eine heftige Explosion – und mehrere weitere folgten. Bestürzt liefen die Kellner zur Tür, um hinauszusehen. Statten die Israelis uns zu Weihnachten einen unangekündigten Besuch ab? Oder sind irgendwelche Terroristen ...
Sonntag, 15. November 2009 - 23:00 Uhr von Ruth Kinet
Die Tel Aviver Kinder lieben ihn: Den Trödler und sein Pferd. Andächtig bleiben sie stehen, wenn das klapprige, mit ausgemusterten Kühlschränken und den Eingeweiden ausrangierter Fernseher beladene Gespann durch die morgendlichen Straßen der Stadt klappert. „Alti Sachien!“, ruft der Araber aus Jaffa in sein Megaphon. Breitbeinig und stoisch geradeaus blickend sitzt er auf dem Kutschbock seines baufälligen ...
Donnerstag, 15. Oktober 2009 - 20:03 Uhr von Ruth Kinet
Das Kollektiv lebt. Im Land der privatisierten Kibbutzim hat es die Idee vom geteilten Hab und Gut im Allgemeinen schwer. Aber dort, wo die Flächen knapp und Wohnraum atemberaubend teuer sind, im Zentrum von Tel Aviv, dort lebt das Kollektiv. Nicht das Betriebskapital und auch nicht die Mahlzeiten sind allen gemeinsam. Geteilt wird der optische Raum. Und der akustische. Wenn ich morgens das Küchenfenster öffne und meinen Tee aufsetze, ...
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