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Montag, 05. Oktober 2009 - 06:30 Uhr von Clemens Bomsdorf
Das Leben im Norden Europas kann recht angenehm sein - die Natur ist sauber, das Meer selten weit und trotz der ein oder anderen Horrormeldung (hier ein Text meines ehemaligen Praktikanten) muss man nicht viel Angst vor Kriminalität haben. Auf der Negativliste stehen neben den trüben Monaten extrem hohe Lebenshaltungskosten und ebensolche Steuern. Dafür wird das ein oder andere geboten, wie beispielsweise kostenlose Ausbildung ...
Montag, 28. September 2009 - 08:39 Uhr von Jürgen Stryjak
»Good price, only today, nur gucken«, das sind Floskeln, die so manchem Ägypten-Reisenden noch Monate lang im Ohr klingeln. Kein Schritt über den Khan El-Khalili in Kairo, der Mutter aller Basare, der nicht einem Spießrutenlauf durchs Spalier ganzer Händlergroßfamilien gleicht. Onkel, Neffen und der Bruder vom besten Freund des Ladenbesitzers, und alle beherrschen jene Floskeln in einem halben Dutzend Sprachen, ...
Montag, 13. April 2009 - 18:51 Uhr von Matthias B. Krause
Die gefühlte Weltlage entscheidet darüber, wie lange ich schummeln darf, nachdem um sechs der Wecker geklingelt hat. Eine Viertelstunde, eine halbe? Ist über Nacht wieder eine Bank in die Knie gegangen, ein Flugzeug im Hudson gelandet, ein Milliardenbetrüger aufgeflogen? Oder hält sich Präsident Obama an seinen Tagesablauf, spricht die Worte in die Kameras, die mir seit Stunden vorliegen und die die amerikanischen Kollegen ...
Sonntag, 12. April 2009 - 06:30 Uhr von Danja Antonovic
Warm ist es in Belgrad geworden, ganz plötzlich. „Aus den Stiefeln direkt in die Badehose“, meckert gestern Mira, die Nachbarin. Klar, bei 27 Grad Lufttemperatur könnte man schwimmen gehen, wenn das Baden an der Save und Donau nicht verboten wäre. Das Wasser, 19 Grad, sei noch zu kalt – sagen die Stadtväter. Die kennen die Ostsee nicht, denke ich. Nachts kommt der warme Wind durchs offene Fenster, am Kopfkissen ...
Samstag, 11. April 2009 - 07:37 Uhr von Alexander Budde
Oh, diese Stille! Ein Morgen ohne Marsmenschen. Man glaubt es kaum. Vor ein paar Tagen waren sie in unser Quartier eingefallen. Stets beim ersten Hahnenschrei fand   sich unter dem Schlafzimmerfenster die ganze Truppe ein. Den Kompressor auf den Rücken geschnallt, den Luftschlauch schwenkend, so ging es munter hinein in die Rabatten. Wie Antennen staksten oben die Ohrenschützer heraus. An Schlaf ist nicht zu denken, wenn sich ...
Freitag, 10. April 2009 - 06:38 Uhr von Hilja Müller
Der Blick aus dem Fenster enttäuscht nicht. Die Luft ist rein, und das im Wortsinne. In der Ferne kann ich die Hafenkräne an der Manila Bay erkennen. An normalen Tagen saugt sich fetter, grauer Smog in der Stadt fest und verhindert jeden Durchblick. Aber heute ist ein besonderer Tag. Good Friday heißt er hier und ein guter (Kar-)Freitag soll es werden. Bereits gestern haben wir die Reifen unserer eingestaubten Räder aufgepumpt, ...
Mittwoch, 08. April 2009 - 20:17 Uhr von Roland Hagenberg
 Die Krähen in Tokio sind fette, fliegende Freischärler. Zum Morgenappell versammeln sie sich um fünf auf Stromleitungen und warten auf meinen brennbaren Müll. Sie sitzen auch auf den Beton-Kabelmasten und den zentnerschweren Transformatoren und sind dankbar, dass die Japaner – trotz Erdbeben und Taifune – ihren Kabelsalat immer noch nicht unter der  Erde verlegen. Und so hat die laute Räuberbrut vor ...
Mittwoch, 08. April 2009 - 07:20 Uhr von Anke Richter
In der Nacht hat jemand ans Fenster geklopft. Schmierige Spuren, wahrscheinlich die Abdrücke einer feuchten Nase, überziehen die Scheibe. „Ein Possum“, stöhnt Susanne. „Mann, hat das genervt. Dauernd hat es mit der Pfote gegens Glas gekratzt.“ Ich habe nichts von dem Störenfried mitbekommen. Geschlafen habe ich wie ein Stein. Allerdings nicht in meinem Bett, sondern auf einer Stockbett-Pritsche in einer ...
Dienstag, 07. April 2009 - 08:12 Uhr von Jürgen Stryjak
In Kairo beginnt der Tag zwei Mal. Das erste Mal, kurz vor Sonnenaufgang, erschallt der Ruf zum muslimischen Morgengebet, dem Salat ul-Fajr, heute um 4.08 Uhr. Er ertönt aus den Lautsprechern der Moscheen und Gebetsstuben, die zu Zehntausenden übers gesamte Stadtgebiet verteilt sind. Diesen Gebetsruf, arabisch Azzan, höre ich nicht, er weckt mich nicht auf. In meinem Stadtteil Dokki wie in vielen anderen Nachbarschaften ab Mittelklasse ...
Montag, 06. April 2009 - 05:56 Uhr von Kilian Kirchgeßner
Sie war schon wieder da heute morgen, die junge Frau. Wenn ich im Schlafzimmer die Vorhänge zurückschlage, steht sie da und schaut durch ihren altmodischen Handspiegel zu mir herüber. Ich schaue sie an, streife sie nur kurz mit meinen Blicken. Das ist unser Ritual, jeden Morgen wieder. Und dann mache ich mich auf den Weg. Der Mensch braucht seine täglichen Routinen, und ich bin wohl einer der wenigen, die sich darauf freuen. ...
Sonntag, 05. April 2009 - 07:22 Uhr von Christina Schott
Normalerweise reißt mich eine der drei Moscheen in unserer Umgebung aus dem Schlaf – heute drangen jedoch  schon am frühen Morgen sakrale Gesänge in meine Träume. Ein Nachbar war über Nacht gestorben, offensichtlich ein Katholik. Nicht viel funktioniert in Indonesien so reibungslos wie die Nachbarschaftshilfe in einem Todesfall, egal welcher Religion der Verstorbene angehörte: Jedes Viertel besitzt in der ...
Samstag, 04. April 2009 - 02:09 Uhr von Julica Jungehülsing
Gerade ist die Sonne aufgegangen, hinter einer sehr weiten Steppe: Eukalyptus, Sand, Schafe. Himmel: Pink, Rosé und Orange vor Babyblau. Ich liege im Indian Pacific, einem Überlandzug, der Pazifik mit Indischem Ozean verbindet (sic!) und fahre von Ost nach West. Wie spät es ist? Keine Ahnung. Seit mehr als zwei Tagen habe ich keinerlei Schimmer, was die Stunde schlägt, und das liegt nicht an übermäßigem Weinprobieren ...
Freitag, 03. April 2009 - 07:00 Uhr von Ruth Kirchner
Der frühe Morgen ist für  mich die schwierigste Tageszeit in China, zumindest wenn man tausende Kilometer von der heimischen Kaffeemaschine entfernt in einem Hotel übernachtet. Schon das Betreten des Frühstücksraums kostet meist ein wenig Überwindung – nicht der Geruch von frischem Milchkaffee und Brötchen begrüßt den Gast, sondern Gemüse, Öl und Knoblauch.Ein stiller Schrei nach ...
Dienstag, 31. März 2009 - 10:15 Uhr von Martin Zöller
Normalerweise beginnt mein Morgen in Rom nicht damit, dass mich ein Wecker aus dem Bett piepst, sondern dass in der Wohnung über mir der kleine Francesco das Schreien anfängt oder ein Motorino so laut durch die Straße düst, dass ich aus dem Bett falle. Beides hat die gleiche Ursache – dass die Wände in Rom so dick sind wie drei Lagen Tapete und so gut isoliert wie ein nackter Eiswürfel. Einmal wach, muss ich mich ...
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