Mittwoch, 14. Mai 2008 - 06:07 Uhr
Verweis für den Direktor
Abgelegt unter: Europa, Jugend, Politik von Alois Berger [E-Mail]

Der Schuldirektor des Jacqmain-Lyzeums in Brüssel hat einen Verweis bekommen und wird für drei Monate vom Schulbetrieb ausgeschlossen. Weil er 78 Schüler vor dem 30. November eingeschrieben hat. Das war illegal und der Mann wusste das auch und wenn nicht, dann hätte ich es ihm sagen können. Ich habe nämlich am Abend vor dem 30. November vor seiner Schule im eiskalten Regen mein Zelt aufgebaut. So richtig mit Stahlheringe-zwischen-die-Pflastersteine-klopfen und Isomatte und Spirituskocher. Und das alles nur, um am nächsten Morgen meine Tochter für die Oberstufe anzumelden. Das hatte uns die wallonische Schulministerin eingebrockt. Weil sich vor allem katholische Edelschulen in Belgien traditionell die Schüler nach der Qualität des Elternhauses heraussuchen, hat die sozialistische Ministerin verfügt, dass die französisch-sprachigen Oberschulen diesmal alle Kinder akzeptieren müssen, unabhängig von Herkunft und Noten. Startschuss 30. November, wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Vor manchen Schulen standen schon drei Tage vorher hundert Meter lange Schlangen. Die besseren Familien mieteten sich Wohnwagen und Studenten, die abwechselnd anstanden und sich in den Wohnwagen aufwärmten. Der Durchschnittstarif fürs Anstehen lag bei 500 Euro. Der Schuldirektor von Jacqmain hat das vorausgesehen und fand es ziemlich ungerecht und hat deshalb den belgischen Weg gewählt: Wer ihm lange genug vorjammerte, dass ...[mehr]

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Mittwoch, 23. April 2008 - 20:28 Uhr
Simbabwe und der „Völkermord“ - Kurze Frage zwischen den Deadlines
Abgelegt unter: Afrika, Krisen, Medienkritik, Reporteralltag von Corinna Arndt [E-Mail]

Ich habe gerade das Vergnügen, statt Reportagen Nachrichten machen zu dürfen. Für jemanden, der sich im Radio erst ab 5 Minuten Sendezeit so richtig wohl fühlt, ist das immer ein kleiner Kulturschock. Zwischendrin stellt man sich dabei manchmal eher philosophische Fragen. Die werden zwar meist unter der nächsten Deadline begraben, aber es sind Fragen wie: Warum laufen wir Journalisten wie eine Herde Schafe dem nach, was die internationalen Agenturen als „die Wirklichkeit“ verkaufen? Warum schreiben wir Journalisten fast schon routinemäßig voneinander ab? Und sehen wir eigentlich genau genug hin, was wir da als „neutrale Chronisten“ berichten?

Beispiel. Am 23. April warnte eine Reihe simbabwischer Kirchenführer davor, dass die Gewalt in Simbabwe sich zum Völkermord („genocide“) auswachsen könnte - „ähnlich wie in Kenia, Ruanda oder Burundi“ -, sollte das Ausland Robert Mugabe nicht das Handwerk legen.

Das ist ein Statement von solchem Gewicht, dass kaum ein Nachrichtenredakteur daran vorbei kann. Allerdings ist es nicht nur faktisch falsch (in Kenia gab es bisher keinen Völkermord, sondern ethnisch motivierte Ausschreitungen, bei denen zwar mehr als tausend Menschen starben – in Ruanda ...[mehr]


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Montag, 14. April 2008 - 17:17 Uhr
Fritten verlieren Lufthoheit in Belgien
Abgelegt unter: Europa, Umwelt, Verkehr von Alois Berger [E-Mail]

Belgien erstickt in diesen Tagen im Smog, aber da kann man nichts machen. In Charleroi zum Beispiel hat die Stadtverwaltung eine Tempobeschränkung in der Stadt auf 30 km/h beschlossen und auf dem Autobahnring von 50 km/h. Aber die Autofahrer merken davon nur sporadisch etwas, weil die Stadt nicht genügend mobile Verkehrs-Schilder hat.

Schuld ist ohnehin das Wetter, sagen die belgischen Zeitungen, windstille Inversionslage, deshalb kann man doch nicht die Autofahrer bestrafen. Demensprechend umstritten ist auch die vorübergehende Geschwindigkeitsbeschränkung auf einigen belgischen Autobahnen auf 90km/h. „So kommt man doch nicht vom Fleck", sagt eine junge Nachbarin, „und weil sich niemand dran hält, bringt es sowieso nichts.“ Und deshalb hält sie sich auch nicht dran.

Dabei hat die Polizei alle Radargeräte aus dem Keller geholt und auf die Straßen gestellt. In manche Blitzkameras wurden jetzt sogar Filme eingelegt, selbst in der Wallonie. Solche feststehenden Blitzanlagen werden von der belgischen Bundesregierung aufgestellt. In welche dann Filme eingelegt werden, das entscheiden die Regionen. So viel zum Föderalismus. In der ganzen Wallonie, also der Südhälfte Belgiens, sind in normalen Zeiten vier solcher Radaranlagen scharf. „Mehr Kontrollen sind Faschismus,“ hat mir ein befreundeter Fernsehmann erklärt, und die wallonische Regionalregierung hält sich daran. ...[mehr]


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Dienstag, 18. März 2008 - 14:59 Uhr
Massaker auf dem Dach der Welt
Abgelegt unter: China, Menschenrechte von Britta Petersen [E-Mail]

Ich habe gerade eine irritierende Email vom Tibetan Centre for Human Rights and Democracy erhalten. Sie ist mit den Worten überschrieben: Warnung: Extrem verstörende Fotos. Und dann gibt sie eine Telefonnummer an, wo man diese Fotos in höherer Auflösung erhalten kann. Die Bilder sind nach einer Demonstration in Ngaba in der Provinz Sichuan am 16. März entstanden. Sie zeigen Tibeter, die wie der Mann links offenbar per Genickschuss hingerichtet oder aber regelrecht abgeschlachtet wurden. Man mag die Email sensationalistisch finden, angesichts der von der chinesischen Regierung verhängten Nachrichtensperre vermögen sie aber einen Eindruck zu geben von dem, was derzeit auf dem Dach der Welt wirklich geschieht. Jeder, der in Zukunft noch von Menschenrechten sprechen will, muss seine China-Politik daran messen lassen.

Hier zu den Bildern.


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Mittwoch, 12. März 2008 - 13:16 Uhr
Visum gegen Pferd
Abgelegt unter: Indonesien von Christina Schott [E-Mail]

Dass Indonesien zu den korruptesten Ländern der Erde gehört, ist lange bekannt. Auch ist es nichts Neues, dass die Einwanderungsbehörde zu Indonesiens korruptesten Institutionen gehört. Und dennoch schaffen es die Beamten immer wieder, uns zu überraschen.

Ein Freund musste sein Besuchsvisum verlängern. Anstatt dies wie gefordert eine Woche vor Ablauf zu tun, kam er erst einen Tag, bevor das Visum seine Gültigkeit verlor. Umgerechnet 100 US-Dollar forderte der zuständige Beamte als Strafe, das sei die Regel. Dabei ging er allerdings von den Sätzen aus, die für bereits abgelaufene Visa gelten. Er ließ sich (natürlich) auf eine Diskussion mit unserem Gast ein.

Strafe müsse sein, sagte der Herr über das Visum, aber er könne sich auch eine Bezahlung in – zum Beispiel – Naturalien vorstellen. Oder mit einem Bild, der Besucher sei doch schließlich Künstler. Man einigte sich auf die Zeichnung eines Pferdes, das Lieblingstier des Beamten. Auf ein Portrait verzichtete er lieber, das sei zu offensichtlich.

Zwei Tage später händigte er das verlängerte Visum aus,...[mehr]


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Montag, 10. März 2008 - 23:28 Uhr
Nur für Journalisten: Mugabe-Wahlparty zum Spottpreis
Abgelegt unter: Afrika, Medien, Pressefreiheit, Reporteralltag von Corinna Arndt [E-Mail]

Robert Mugabe, Simbabwes alternder Präsident, plant mal wieder seine Wiederwahl. Da der Urnengang selbstverständlich wie gewohnt “frei” und “fair” ablaufen wird, sind ausländische Journalisten willkommen. Sollen sich die Schmierfinken des Westens doch selbst davon überzeugen, wie prächtig die Demokratie in Mugabes Reich blüht.

Für eine moderate Gebühr von 1700 US-Dollar dürfen sie diesmal über die Wahlen berichten. Das hört sich nach Abzocke an? Nicht doch. Runtergebrochen sieht die Summe schonmal weniger furchterregend aus. Dann kostet die Akkreditierung nämlich nur noch 1000 Dollar, dazu kommt lediglich eine “Verwaltungsgebühr” von 500 Dollar und eine “Wahlgebühr” von schlappen 200 Dollar. Gewiss, vor kurzem waren es insgesamt nur 600 Dollar, aber wenn Sie bedenken, wo die Wirtschaft Simbabwes gerade hintrudelt, dann entspricht die Erhöhung ja noch nichtmal dem Inflationsausgleich. Und wer aus Europa kommt darf sich gleich nochmal freuen: So günstig, wie momentan der Dollarkurs ist, bekommt man die Mugabe-Wahl ja praktisch geschenkt. Na denn: Frohes Schaffen allerseits.


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Samstag, 23. Februar 2008 - 22:00 Uhr
Ein Brotbeutel gegen Freiheitsberaubung
Abgelegt unter: Europa, Kriminalität, Menschenrechte von Alois Berger [E-Mail]

Meiner belgischen Zeitung lag heute morgen ein Brotbeutel aus reißfestem Papier bei. Auf dem Beutel sind die zehn wichtigsten Rechte eines Angeschuldigten im Fall einer Verhaftung aufgedruckt, mit freundlichen Grüßen von der flämischen Anwaltskammer. Alles andere verlegt man irgendwann, meinen die Anwälte, den Brotbeutel hat man beim Frühstück am ehesten griffbereit - für den nicht unwahrscheinlichen Fall, dass man eines morgens unschuldig verhaftet wird.

Weil die Angst vor Terror und Kriminalität in der Bevölkerung ständig wächst, reagieren laut Statistik der Anwaltskammer auch Polizei und Justiz zunehmend rigoroser: Es wird immer schneller verhaftet und immer langsamer freigelassen. „Freiheitsberaubung scheint ein Automatismus geworden zu sein,“ klagen die Anwälte.

Ein Drittel aller belgischen Gefängnisinsassen sitzt ohne Urteil. Sie sind in Untersuchungshaft und bleiben oft jahrelang im Gefängnis, weil die Ermittler draußen die Beweise nicht finden, die für einen Prozess nötig sind. Das heißt, je länger sie in U-Haft sitzen, desto wahrscheinlicher ist, dass sie unschuldig sind, zumindest nie verurteilt werden, jedenfalls nicht von einem Richter. Umso mehr allerdings von den Nachbarn: Wer solange im Gefängnis war, hat ganz sicher irgendwas angestellt.

Zufall oder nicht, diese Woche wurde eine junge Frau nach genau 12 Monaten und elf ...[mehr]


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Donnerstag, 07. Februar 2008 - 21:20 Uhr
Marcus Bensmann: Human Rights Watch bleibt skeptisch
Abgelegt unter: Marcus Bensmann von Silvia Feist [E-Mail]

Drei Männer aus Südkasachstan sollen den Überfall auf Marcus Bensmann gestanden haben. Als „einzelner Ausländer in beschwipsten Zustand“ soll er dem Besitzer des „privaten Taxis“ und den beiden Mitfahrern als „leichte Beute“ erschienen sein. Das berichtet die offizielle Website der Stadt Astana nach einer Pressekonferenz der Polizei am 30. Januar.

Bensmann war in der fraglichen Nacht in einem Nachtclub in Astana unterwegs, um für einen Fernsehfilm zu recherchieren. Nach seinen Angaben habe er im Lauf der Nacht zwei, drei Cocktails getrunken, er sei aber nicht betrunken gewesen.

Rachel Denber, Vizedirektorin für Europa und Zentralasien der Organisation Human Rights Watch, zeigte sich in New York in einem Telefongespräch nach wie vor skeptisch. Human Rights Watch betrachte den Fall in einem größeren Kontext. Es mangele grundsätzlich an Toleranz für kritische Berichterstattung in der Region. Die Behörden versagten, wenn es um ein klares Bekenntnis zur Meinungsfreiheit gehe. Und es sei auch Skepsis geboten, was die Qualität der Justiz anbelange.

„Die Polizei in der Region kann sehr brutal sein. Das gilt auch für die Art und Weise, wie manche Geständnisse erhalten werden“, sagte Rachel Denber und ...[mehr]


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Mittwoch, 06. Februar 2008 - 06:51 Uhr
Marcus Bensmann: Respublika
Abgelegt unter: Marcus Bensmann von Martin Ebbing [E-Mail]

Die russischsprachige kasachische Oppositionszeitung Respublika veröffentlichte am vergangenen Freitag einen Artikel über die Festnahme der drei Verdächtigen.

Der Tonfall ist ironisch bis sarkastisch, die Skepsis aber sicher angebracht.

 

Weißer “Schigulu” und ein dunkler “Mercedes” – achten Sie auf den Unterschied.

Die Polizei hat die Festnahme von “Hooligans” vermeldet, die verdächtigt werden, den deutschen Journalisten Marcus Bensmann zusammengeschlagen zu haben.

Anatolij Iwanow, 01.02.2008

Unsere Polizisten demonstrierten erneut der ganzen Welt, dass sie Verbrechen jedes Schwierigkeitsgrades äußerst operativ aufklären können.

Nur 10 Tage benötigten die Ermittlungsbehörden der Hauptstadt, um die Beteiligten an dem brutalen Raubüberfall auf den deutschen Journalisten Marcus BENSMANN zu finden, ja sie holten auch schon ein komplettes Schuldgeständnis aus ihnen heraus.

Unsere Ordnungshüter, erwiesen sich als mit allen Wassern gewaschen. Flink entdeckten sie mittels überall in der Hauptstadt aufgestellten Videokameras und gewisser Geschwindigkeitsmesser nicht nur das Auto, in dem man Marcus BENSMANN verschleppte, sondern sie konnten auch die mutmaßlichen ...[mehr]


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Freitag, 01. Februar 2008 - 14:26 Uhr
Marcus Bensmann: Radio Svoboda
Abgelegt unter: Marcus Bensmann von Martin Ebbing [E-Mail]

Hier die deutsche Übersetzung des Wortlautes der kurzen Meldung von Radio Svoboda vom Mittwoch:

Die Verdächtigen im Fall des Angriffs auf den deutschen Journalisten habe ihre Schuld gestanden.

30.01.2008 17:22

In Kasachstan sind drei örtliche Einwohner festgenommen worden, die des Angriffs auf den Journalisten der deutschen Fernsehanstalt ARD, Marcus Bensmann, verdächtigt werden.

Wie der Korrespondent von Radio Svoboda, Sergej Koslow, mitteilt, kam Bensmann mit einer Gruppe Kollegen in die kasachische Hauptstadt, um einen Dokumentarfilm über Astana zu drehen.

Aber am Tag seines Eintreffens wurde der deutsche Journalist als er aus einem Nachtklub zurückkehrte, von Unbekannten verprügelt, beraubt und am Stadtrand in den Straßengraben geworfen. Zufällig entdeckten ihn Passanten zusammengeschlagen und halberfroren am Morgen. Jetzt wird das Opfer in Köln medizinisch behandelt.

Nach Angaben der Polizei war einer der Verdächtigen als privater Taxifahrer aktiv, ein zweiter arbeitete in einer Wachfirma, der dritte war arbeitslos. Das Alter der Verhafteten liegt zwischen 20 und 26 Jahren.

Sie haben ihre Schuld gestanden ...[mehr]


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