| Einträge aus der Kategorie Marcus Bensmann: |
| Dienstag, 03. November 2009 - 16:06 Uhr |
| Der ermordete Sohn |
| Abgelegt unter: Marcus Bensmann, Pressefreiheit, Zentralasien von Marcus Bensmann [E-Mail] |
Auf meiner Reise durch Zentralasien besuchte ich in der kirgisischen Stadt Osch den Vater von Alischer Saipow. Alischer Saipow war mein Freund und Kollege. Am 24 Oktober 2007 wurde er von Killern erschossen. Wenige Stunden vor dessen Ermordung hatten wir noch über skype gefrotzelt. Ich fuhr nun Anfang Oktober fast zwei Jahre später zum Haus Awas Saipows, den Vater des ermordeten Kollegen. Awas Saipow hat sich zum Ziel gesetzt, die Mörder seines Sohnes zu finden. Als wir Tee tranken, wuchtete er aus der Schublade eine Ladung Papiere, Dokumente und Fotografien, die der Vater seit dem Oktober 2007 gesammelt hat, um den Mord an seinen Sohn aufzuklären. Die staatlichen Untersuchungen in Kirgistan gehen dem Vater nicht weit genug, er ist überzeugt davon, dass die kirgisischen Behörden an der Wahrheit kein Interesse haben und falsche Schuldigen suchen. Und so hat der Vater seit der Ermordung seines Sohnes keine ruhige Minute mehr. Er sucht, sammelt und schreibt wütende Briefe an den kirgisischen Präsidenten. Oft ist er in die kirgisische Hauptstadt Bischkek gereist. Nur einmal wurde er gut aufgenommen. Ein Oberst der Polizei versprach ihm bei der Aufklärung zu helfen, doch dieser starb wenige Wochen nach dem Versprechen an einem Herzinfarkt. Das Versprechen hat der Vater auf Band aufgenommen und spielt es ab, wieder und wieder. Während der Vater in den anklagenden Dokumenten kramte, merke ich, wie ...[mehr] |
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| Dienstag, 27. Oktober 2009 - 08:38 Uhr |
| sorry, Holland |
| Abgelegt unter: Alltag, Australien, Europa, Film, Marcus Bensmann von Julica Jungehülsing [E-Mail] |

Europa ist ja schon ein schwieriger Ort. Finden wir auf jeden Fall hier unten in Ozztralija. Ok, dass das United Kingdom eine Insel ist und daher irgendwie nicht so richtig dazu gehört, Tony Blair als EU-Boss hin oder her, ist ja halbwegs logisch. Aber Holland? Ist da bei Euch auch schon Land unter, Kerstin? Laut meinem Supermarkt jedenfalls seid ihr draußen: Klare Sache, ihr dümpelt jenseits der Eurozone irgendwo zwischen Indien, Libanon und Kosher... (die Honigwaffeln waren by the way lecker - ob nun europäisch, dutch oder made in Poland).
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| Donnerstag, 07. Februar 2008 - 21:20 Uhr |
| Marcus Bensmann: Human Rights Watch bleibt skeptisch |
| Abgelegt unter: Marcus Bensmann von Silvia Feist [E-Mail] |
| Drei Männer aus Südkasachstan sollen den Überfall auf Marcus Bensmann gestanden haben. Als „einzelner Ausländer in beschwipsten Zustand“ soll er dem Besitzer des „privaten Taxis“ und den beiden Mitfahrern als „leichte Beute“ erschienen sein. Das berichtet die offizielle Website der Stadt Astana nach einer Pressekonferenz der Polizei am 30. Januar. Bensmann war in der fraglichen Nacht in einem Nachtclub in Astana unterwegs, um für einen Fernsehfilm zu recherchieren. Nach seinen Angaben habe er im Lauf der Nacht zwei, drei Cocktails getrunken, er sei aber nicht betrunken gewesen. Rachel Denber, Vizedirektorin für Europa und Zentralasien der Organisation Human Rights Watch, zeigte sich in New York in einem Telefongespräch nach wie vor skeptisch. Human Rights Watch betrachte den Fall in einem größeren Kontext. Es mangele grundsätzlich an Toleranz für kritische Berichterstattung in der Region. Die Behörden versagten, wenn es um ein klares Bekenntnis zur Meinungsfreiheit gehe. Und es sei auch Skepsis geboten, was die Qualität der Justiz anbelange. „Die Polizei in der Region kann sehr brutal sein. Das gilt auch für die Art und Weise, wie manche Geständnisse erhalten werden“, sagte Rachel Denber und ...[mehr] |
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| Mittwoch, 06. Februar 2008 - 06:51 Uhr |
| Marcus Bensmann: Respublika |
| Abgelegt unter: Marcus Bensmann von Martin Ebbing [E-Mail] |
| Die russischsprachige kasachische Oppositionszeitung Respublika veröffentlichte am vergangenen Freitag einen Artikel über die Festnahme der drei Verdächtigen. Der Tonfall ist ironisch bis sarkastisch, die Skepsis aber sicher angebracht. Weißer “Schigulu” und ein dunkler “Mercedes” – achten Sie auf den Unterschied. Die Polizei hat die Festnahme von “Hooligans” vermeldet, die verdächtigt werden, den deutschen Journalisten Marcus Bensmann zusammengeschlagen zu haben. Anatolij Iwanow, 01.02.2008 Unsere Polizisten demonstrierten erneut der ganzen Welt, dass sie Verbrechen jedes Schwierigkeitsgrades äußerst operativ aufklären können. Nur 10 Tage benötigten die Ermittlungsbehörden der Hauptstadt, um die Beteiligten an dem brutalen Raubüberfall auf den deutschen Journalisten Marcus BENSMANN zu finden, ja sie holten auch schon ein komplettes Schuldgeständnis aus ihnen heraus. Unsere Ordnungshüter, erwiesen sich als mit allen Wassern gewaschen. Flink entdeckten sie mittels überall in der Hauptstadt aufgestellten Videokameras und gewisser Geschwindigkeitsmesser nicht nur das Auto, in dem man Marcus BENSMANN verschleppte, sondern sie konnten auch die mutmaßlichen ...[mehr] |
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| Freitag, 01. Februar 2008 - 14:26 Uhr |
| Marcus Bensmann: Radio Svoboda |
| Abgelegt unter: Marcus Bensmann von Martin Ebbing [E-Mail] |
| Hier die deutsche Übersetzung des Wortlautes der kurzen Meldung von Radio Svoboda vom Mittwoch:
Die Verdächtigen im Fall des Angriffs auf den deutschen Journalisten habe ihre Schuld gestanden. 30.01.2008 17:22 In Kasachstan sind drei örtliche Einwohner festgenommen worden, die des Angriffs auf den Journalisten der deutschen Fernsehanstalt ARD, Marcus Bensmann, verdächtigt werden. Wie der Korrespondent von Radio Svoboda, Sergej Koslow, mitteilt, kam Bensmann mit einer Gruppe Kollegen in die kasachische Hauptstadt, um einen Dokumentarfilm über Astana zu drehen. Aber am Tag seines Eintreffens wurde der deutsche Journalist als er aus einem Nachtklub zurückkehrte, von Unbekannten verprügelt, beraubt und am Stadtrand in den Straßengraben geworfen. Zufällig entdeckten ihn Passanten zusammengeschlagen und halberfroren am Morgen. Jetzt wird das Opfer in Köln medizinisch behandelt. Nach Angaben der Polizei war einer der Verdächtigen als privater Taxifahrer aktiv, ein zweiter arbeitete in einer Wachfirma, der dritte war arbeitslos. Das Alter der Verhafteten liegt zwischen 20 und 26 Jahren. Sie haben ihre Schuld gestanden ...[mehr] |
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| Freitag, 01. Februar 2008 - 13:47 Uhr |
| Marcus Bensmann: Marcus zum Hergang des Überfalls |
| Abgelegt unter: Marcus Bensmann, Zentralasien von Martin Ebbing [E-Mail] |
| Marcus ist weiter im Krankenhaus, aber mittlerweile ist er gesundheitlich soweit in der Lage, dass er einiges zum Hergang des Überfalls sagen kann. Seine Erinnerungen sind bislang sehr lückenhaft. Danach ist er ohne Begleitung in eine graue Limousine gestiegen, von der er nicht wisse, woher sie gekommen ist. Der Wagen sei deutlich größer als ein russischer Shiguli gewesen. Im Fahrzeug hätten die Attacken auf ihn begonnen. Wie und wann er aus dem Auto geworfen wurde, kann er nicht erinnern, da er zu dem Zeitpunkt bewusstlos war. Als er im Schnee liegend wieder aufwachte, habe er sich circa 20 Kilometer außerhalb von Astana in der Steppe wiedergefunden. Ohne Schuhe sei er mehrere Stunden lang herumgeirrt und habe nach Menschen gesucht. An den Außenbezirken von Astana sei er dann zusammengebrochen und habe erneut das Bewusstsein verloren. |
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| Freitag, 01. Februar 2008 - 11:43 Uhr |
| Marcus Bensmann: Drei Verdaechtige festgenommen |
| Abgelegt unter: Marcus Bensmann von Stefan Scholl [E-Mail] |
Radio Swoboda in Astana, der kasachischen Hauptstadt, meldet, drei junge Maenner seien als Tatverdaechtige festgenommen worden. Es handelt sich nach Polizeiangaben um Kasachen im Alter zwischen 20 und 26 Jahren: ein Taxifahrer, ein Wachmann, ein Arbeitsloser. Sie sollen bereits gestanden haben. Ihnen drohen nun Gefaengnisstrafen von drei bis sieben Jahren und die Konfiszierung ihres Eigentums. Die kasaschische Polizei will untersuchen, ob sie vorher an aehnlichen Straftaten beteiligt waren. Das alles deutet auf einen unpolitischen Raubueberfall hin. Allerdings sind die Sicherheitsorgane in der ehemaligen Sowjetunion oft alles andere als zimperlich, wenn es darum geht, schnell Schuldige fuer einen heiklen Fall zu finden. So kann man noch nicht 100prozentig davon ausgehen, dass der Fall aufgeklaert ist. Sicher koennen wir eigentlich erst sein, wenn Marcus selbst die offizielle kasachische Version bestaetigt. |
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| Donnerstag, 31. Januar 2008 - 19:37 Uhr |
| Kann ich dich mal kurz was fragen, Marcus? |
| Abgelegt unter: Marcus Bensmann von Judith Reker [E-Mail] |
| Ich freue mich sehr darauf, Marcus Bensmann beim nächsten Weltreporter-Treffen in Deutschland kennen zu lernen. Wir sind uns bisher nur virtuell begegnet, via Email, nicht ungewöhnlich für die Weltreporter. Wahrscheinlich werde ich ihm ziemlich auf die Nerven gehen mit meinen Fragen, aber tut mir leid, da muss er durch. Ich will zum Beispiel wissen, wie er es schafft, mit so vielen von den Journalisten seiner Region Kontakt zu halten, die irgendwann einmal durch die Macht von Regimes in existenzielle Not gerieten. Dass er es schafft, weiß ich von dem Verein Journalisten helfen Journalisten (JHJ). Vorstandsmitglied Carl-Wilhelm "Calle" Macke steht seit langem mit einigen von uns in Verbindung und war einer der ersten, die sich nach Marcus’ Wohlergehen erkundigt und Hilfe angeboten haben. Wenn Calle uns kontaktiert, geht es immer um Notfälle. Andersherum schreiben Journalisten aus der ganzen Welt an JHJ, wenn sie von Kollegen in akuter Not hören. Mit niemandem sei der Austausch intensiver als mit Marcus, sagt JHJ. Eine Anfrage von JHJ kann zum Beispiel so aussehen: „Von dem sehr seriösen englischen 'Rory Peck Trust' haben wir in diesen Tagen einen Hilferuf aus Nairobi erhalten, den ich als Zitat in diese Mail hineinkopiert habe. Selbstverständlich ...[mehr] |
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| Sonntag, 27. Januar 2008 - 11:43 Uhr |
| Verantwortung |
| Abgelegt unter: Marcus Bensmann von Kai Schächtele [E-Mail] |
Am Donnerstag meldete sich ein Reporter des Deutschlandfunks bei uns. Er arbeite an einem Stück für die Sendung „Markt und Medien“ und wolle sich gern mit einem der Weltreporter in Berlin treffen. Ihm ging es natürlich darum, wie es Marcus geht, aber auch um die grundsätzliche Frage, wer in einem solchen Fall eigentlich für die Folgekosten aufkommt. Marcus arbeitete als freier Journalist für Zeitungen und den WDR, war aber nirgendwo festangestellt. Ja, wer springt in einem solchen Fall eigentlich ein? Diese Frage haben wir uns intern in den letzten Tagen natürlich auch gestellt.
Am Samstag abend lief das Stück (Manuskript ist hier). Unter anderem kam Arnd Henze zu Wort, der stellvertretende Auslandschef des WDR , der an der Uni Köln auch als „Lehrbeauftragter für das „Verhältnis von Medien und internationalen Krisen“ arbeitet. Das Wichtigste sei, dass Marcus´ Verletzungen behandelt werden. Außerdem fühle sich der WDR verantwortlich, weil Marcus in dieser Nacht für den „Weltspiegel“ unterwegs war. Das ist ein gutess Signal für freie Journalisten. Und tatsächlich: Der ...[mehr] |
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| Samstag, 26. Januar 2008 - 16:35 Uhr |
| Marcus Bensmann: Human Rights Watch glaubt nicht an Zufall |
| Abgelegt unter: Marcus Bensmann von Martin Ebbing [E-Mail] |
| In einer Presseerklärung äußert die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch Zweifel, dass es sich bei dem Überfall auf Marcus Bensmann um eine ausschließlich kriminelle Tat handelt: „Es ist schwer zu glauben, dass es sich beim Überfall auf Bensmann um einen Zufall handelt”, sagte Holly Cartner, Direktorin der Abteilung Europa und Zentralasien von Human Rights Watch. „Zu viele freie Journalisten sind in den letzten Jahren in dieser Region Opfer von Angriffen geworden, und Bensmann war bekannt für seine kritische Berichterstattung über die Regierungen Zentralasiens.” Die zuständige Polzei in Kasachstan hatte erklärt, sie habe keinerlei Anhaltspunkte, dass es sich um etwas anderes als um einen Raubüberfall handelt. Human Rights Watch verweist noch einmal auf die Ermordung des Journalisten Alisher Saipov vor drei Monaten in Kirgisien, der wie Marcus Bensmann ein Kritiker der usbekischen Regierung war. Die Menschenrechtsorganisation fordert die kasachischen Behören auf, „den Überfall .. [zu] untersuchen und die Täter vor Gericht [zu] stellen.“ Die vollständige Presseerklärung gibt es hier. |
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