Einträge aus der Kategorie Alltag:


Mittwoch, 08. September 2010 - 02:55 Uhr
Hauptsache feste Schuhe neben dem Bett - Erdbeben-Erfahrung aus Kalifornien
Abgelegt unter: Alltag, Klima, Neuseeland, Reporteralltag, Umwelt, USA, WELTREPORTER.NET, wohnen  von Kerstin Zilm  [E-Mail]

Das Erdbeben in Neuseeland und der Blog der heftig beben-geschüttelten Kollegin Anke Richter aus Christchurch haben mich daran erinnert, dass unsere Decken und das Notproviant für alle kalifornischen Bebenfälle mal wieder bei irgendeinem Campingtrip oder Ausflug zum Strand verschwunden sind, dass ich immernoch nicht das handbetriebene Radio gekauft habe, das es seit Wochen zum Sonderpreis im Supermarkt gibt und dass in dem Schrank, in dem eigentlich Wasser und Erste-Hilfe-Kiste sein sollten aus irgendeinem Grund seit Monaten leere Bierflaschen vor der Abgabe beim Recycling zwischengelagert sind.

Immerhin ist die Sicherheits-Lasche noch an der Schranktür. Die verhindert im Fall eines Bebens dass die Flaschen auf den Boden fallen. Das erinnert mich daran, wieder feste Schuhe neben das Bett zu stellen. Denn scheinbar gibt es vor allem nachts Erdbeben in Kalifornien, Fenster gehen kaputt, Bilderrahmen kommen von den Wänden und wenn man im verschreckten Halbschlaf barfuß aus dem Bett klettert hat man als erstes einen Glassplitter im Fuß und damit unnötig zusätzlich Probleme! Das habe ich jedenfalls bei der Recherche für zahlreiche Beiträge rund ums Phänomen Erdbeben gelernt. Kurz nach diesen Recherchen ...[mehr]


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Montag, 30. August 2010 - 16:38 Uhr
Die Kunst der Namensgebung
Abgelegt unter: Alltag, Deutschland, Frauen, Reise, Reporteralltag, USA  von Christine Mattauch [E-Mail]

Es ist Zeit für eine Enthüllung. Ich heiße gar nicht Christine Mattauch. Juristisch gesehen jedenfalls. Das hätte mich vergangenen Freitag fast die Einreise in die USA gekostet.

Schuld daran ist mein Eigensinn. Als vor vier Jahren der beste aller Männer um meine Hand anhielt, sagte ich nicht nur Ja, sondern beschloss zugleich, seinen Namen anzunehmen und damit alles Frauenrechtlertum über Bord zu werfen. Halt – nicht alles. Natürlich wollte ich weiter unter meinem Mädchennamen schreiben, der nach über 20 Jahren im Journalismus so etwas wie eine Marke geworden war. Das lieferte der Frauenrechtlerin in mir den perfekten Grund, den alten Namen irgendwie doch beizubehalten. Ich verfiel auf die Idee, ihn im neuen Pass als Künstlernamen eintragen zu lassen. Liebende Frauen müssen nicht logisch sein.

Der Beamte auf dem deutschen Konsulat in New York staunte nicht schlecht. „Den Mädchennamen als Künstlernamen? Wieso wollen Sie das denn, vorne wird ‚geborene Mattauch’ eingetragen, da sieht doch jeder, dass Sie mal so geheißen haben.“ Ich erklärte. Er verstand trotzdem nicht. Ich hatte keine Lust mehr zu erklären und wurde formal: „Aber es geht doch?“ – „Es geht. Allerdings nicht mehr lange.“ – „Aber jetzt geht es noch?“ Pause. Dann gab er auf: „Ja.“

Formal heiße ich also seit dreieinhalb ...[mehr]


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Mittwoch, 30. Juni 2010 - 02:28 Uhr
Party bei den Toten
Abgelegt unter: Alltag, Kultur, Musik, USA  von Christine Mattauch [E-Mail]

Ein Konzert auf einem Friedhof? Einen Moment glaubte ich, ich hätte mich verlesen. Doch da stand es, schwarz auf weiß, in der E-Mail meiner Freundin Carol, einer resoluten älteren Dame, die nicht zu dummen Scherzen neigt. „It is a really nice event“, ließ sie mich wissen. „Let me know if you want to join us.“ Das wollte ich allerdings.

Stattfinden sollte der „nice event“ nachmittags auf dem Green-Wood Cemetery, einem 1838 gegründeten Waldfriedhof im Brooklyner Stadtteil Greenwood Heights. Das Gelände ist riesig – fast 200 Hektar – mit Seen, Teichen, Hügeln und vielen, vielen Bäumen. Nicht nur deshalb ist dieser Friedhof ein wenig anders als die meisten. Viele berühmte und manche exzentrische Persönlichkeiten sind dort beerdigt und bilden eine ewig ruhende illustre Gemeinschaft: der Dirigent Leonard Bernstein; der Boxer und Gangster „Bill the Butcher“; der Vater des US-Präsidenten Theodore Roosevelt; Lola Montez, die Geliebte des bayerischen Königs Ludwig I. In der Fassade des pompösen Eingangstores nistet seit Jahren eine Kolonie grüner Papageien. ...[mehr]


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Sonntag, 20. Juni 2010 - 04:16 Uhr
Fußballfieber beim Zahnarzt
Abgelegt unter: Alltag, Japan, Sport  von Hilja Müller [E-Mail]

Für mich waren Zahnarztbesuche ein Graus als ich ein Kind war. Ich erinnere mich an eine muffelige Sprechstundenhilfe und einen Herrn im weißen Kittel, den ich furchtsam mit Knicks begrüßte. Dennoch fahndete der erbarmungslos nach neuen Löchern in meinen nicht sehr guten Zähnen. Meine Kinder haben’s da besser. In der hochmodernen Zahnarztpraxis hier in Tokio gibt es im Wartezimmer so viele Videogames und anderen Schnickschnack, den sie zu Hause vermissen, dass meine Ältere mitkommt, selbst wenn sie keinen Termin hat. Aber auch im Behandlungszimmer lässt es sich dank reichem Filmangebots gut aushalten. Ganz entspannt liegen meine Töchter dort im Sessel und schauen auf dem in die Decke eingelassenen Monitor „Cinderella“ oder „Marley & Me“.

Gestern überraschte das jugendliche Zahnarztteam uns dann noch mit einem besonders sportlichen Auftritt: Alle trugen das Trikot der japanischen Fußball-Nationalmannschaft. Damit bekam der Besuch beim Zahnarzt endgültig Event-Charakter. Und statt small talk war Fachsimpeln angesagt. Die nette Ärztin, die meiner Jüngsten behutsam die Zähne säuberte, tröstete mich über die bittere Niederlage der Deutschen gegen die Serben hinweg. Um mich abzulenken, erzählte sie von einem weiteren Clou, mit dem die Praxis derzeit ihre Kunden bei Laune hält. Kinder, die eine Spange brauchen, können sich die elastischen ...[mehr]


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Montag, 14. Juni 2010 - 17:01 Uhr
Keine Chance für Fußball-Muffel in Beirut
Abgelegt unter: Alltag, Deutschland, Libanon, Sport  von Birgit Kaspar [E-Mail]

Nun ist es also soweit: Nicht genug damit, dass man den Mücken in unserem Haus um diese Jahreszeit nur unterm Moskitonetz vollständig entkommt. Aus dem Wohnzimmer tönt zudem das Geräusch eines Schwarmes tausender heranschwirrender Moskitos – auch wenn es tatsächlich glücklicherweise nur das Konzert dieser Ohren-beleidigenden Vuvuzela-Trompeten ist. Im Wohnzimmer sitzt mein Mann, Schotte, Fußballfan und schaut begeistert den Worldcup, unterbrochen nur vom Ausfall der Satellitenübertragung von Al Jazeera. Das aber regelmäßig.

Nun könnte man meinen, Türen schließen würde helfen. Aber es ist Sommer, die Temperaturen liegen auch am frühen Abend noch bei 30 Grad C und die Luftfeuchtigkeit in Beirut steigt. Da öffne ich persönlich gerne die Fenster. Damit befinde ich mich leider in bester Gesellschaft. Drum schallen eben jene Vuvuzelas sowie die Jubelschreie der Nachbarn, wann immer ein Tor für ihre Lieblingsmannschaft gefallen ist, ungefiltert zu mir herüber. Als Deutschland die australische Mannschaft vorgestern mit 4:0 besiegte, ging es besonders hoch her. Schreie, Freudenschüsse, Knallgranaten und Hupkonzerte – die Libanesen lieferten die ganze Palette.

Denn ...[mehr]


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Sonntag, 30. Mai 2010 - 19:20 Uhr
Ein Rasen ist kein Rasen
Abgelegt unter: Alltag, Umwelt, USA  von Christine Mattauch [E-Mail]

 

Der Andrang war spektakulär: Hunderte drängten sich vergangenen Freitag in der 66. Straße von Manhattan. Und warum? Ein Rasen wurde eingeweiht! In Nullkommanichts nahm die Meute das Fleckchen Grün in Besitz. Exzentrisch gekleidete ältere Damen breiteten Strandmatten aus, Jugendliche übten das Radschlagen, Schulklassen fielen über ihre Sandwichs her. Es war so voll wie im Hochsommer eine Badeanstalt, mit dem Unterschied, dass nicht Bademeister, sondern Polizisten das Treiben überwachte.

Okay, es war auch nicht irgendein Rasen, sondern eine skulptural gestaltete Grünfläche im Lincoln Center, dem großen Opern- und Konzertkomplex an der Upper West Side. Außerdem gab es kostenlose Zitronenlimonade. Trotzdem wäre soviel Bohei um ein bisschen Grün in Stuttgart oder Hamburg undenkbar. In Deutschland ist ein Rasen, nun ja, eben ein Rasen. Doch im hochhausdominierten New York gelten andere Maßstäbe, dort wird jedes Stückchen Natur in Ehren gehalten. Ein Rasen ist hier ein Heiligtum.

 

Nicht nur Rasen – alles, was grün ist, gilt als unantastbar. In meinem ersten ...[mehr]


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Donnerstag, 27. Mai 2010 - 17:19 Uhr
Bilderbuchholländer
Abgelegt unter: Alltag, Holland, Reporteralltag  von Kerstin Schweighöfer [E-Mail]

Neulich sass ich für ein Interview bei einem deutschen Facharzt in einem niederländischen Krankenhaus. Immer mehr deutsche Fachärzte zieht es über die Grenze. Nicht allein wegen des Geldes, versicherte mir der junge Deutsche. Ausschlaggebend für ihn war das Klima am Arbeitsplatz und die Mentalität: Die Holländer, so begann er zu schwärmen, seien so schön “locker vom Hocker”….Sie haben mit Hiercharchien nichts am Hut, sagen sofort “Du”, sind pragmatisch und unkompliziert, und sie brüllen auch nicht sofort: ”Das ist verboten!” Holländer sind  kreativ, aufmüpfig, geistreich, flexibel…. der deutsche Facharzt war kaum zu bremsen in seiner Begeisterung. Doch wem sagte er das? Schliesslich war ich selbst lange genug hier, um das alles zu wissen!

Stimmt. Lange genug jedenfalls, um herauszufinden, was Altfussballer Johan Cruijff meinte, als er die legendären Worte sprach: “Ieder voordeel heeft zijn nadeel”- “Jeder Vorteil hat seinen Nachteil.”

Denn manchmal will ich Abstand halten und nicht sofort plump mit “Du” angeredet werden. Manchmal ist locker vom Hocker schlicht unverschämt und rüpelhaft. Und manchmal kommt mir das “Poldern” (sprich: Verhandeln bis zum Umfallen) aus den Ohren heraus und sehne ich mich einfach nur nach einem autoritären Chef, der mit der Faust auf den Tisch schlägt ...[mehr]


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Donnerstag, 20. Mai 2010 - 04:46 Uhr
Schnäppchenpreis
Abgelegt unter: Alltag, Japan, Luxus  von Hilja Müller [E-Mail]

Dass Japan ein teures Land ist und die Lebenshaltungskosten insbesondere in der Hauptstadt Tokio außerirdische Dimensionen haben, ist nicht wirklich das, was man als “breaking news” bezeichnen würde. Ich will trotzdem drüber schreiben. Weil ich selber staune, wie leicht der Mensch – damit meine ich mich – sich an horrende Preise gewöhnen kann.

Als wir letztes Jahr nach Tokio zogen, waren meine ersten Einkäufe geprägt von, hm, nennen wir es ruhig Fassungslosigkeit. Der Käse kostet grob zwischen 2,50 Euro und 5,50 Euro – pro 100 Gramm. Macht für ein ordentliches Stück Parmesan mal eben 20 Euro. Einen Laib Brot, sollte er eine festere Konsistenz als Marshmallows haben, gibt es ab etwa fünf Euro. Für einen Liter Milch muss man 1,50 Euro oder mehr berappen. Über Preise für Öko-Produkte wollen wir gar nicht reden.

 

Inzwischen ist meine Einkaufswelt wieder halbwegs im Lot. Denn a) ist der Mensch (= ich) ein Gewohnheitstier, siehe oben. Es schmerzt nicht mehr ganz so, wenn die junge Japanerin an der Supermarktkasse einem mit bezaubernden Lächeln 100 Euro für ein mäßig gefülltes Einkaufskörbchen abknöpft. Und b) habe ich natürlich längst herausgefunden,...[mehr]


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Samstag, 15. Mai 2010 - 04:10 Uhr
Kleine Hindernisse räumen wir selbst weg
Abgelegt unter: Alltag, Kriminalität, Libanon, Reporteralltag, Verkehr  von Birgit Kaspar [E-Mail]

Es ist kurz nach Mittag. Ich habe mir gerade eine Tasse Tee gekocht und versuche, mich auf meinen Artikel zu konzentrieren. Draußen auf der Straße höre ich die Müllabfuhr. Sie kommt ungefähr sechs Mal täglich. Das ist gut so, bei dem Abfall, den das Viertel ständig in den drei grünen Containern an der Straßenecke ablädt. Nicht so gut ist die Dezibelstärke dieser Uralt-Mülllaster. WBei offenem Fenster versteht man sein eigenes Wort nicht mehr.

Plötzlich geht ein ohrenbetäubendes Hupkonzert auf der Strasse los. Es steigert sich zum Crescendo. Und will gar nicht mehr aufhören. Schließlich gehe ich etwas ungehalten auf den Balkon, um zu sehen, was da los ist. Lärm ist ja normal, aber das… Es ist wieder einmal so weit: Ein superschlauer Autofahrer – oder war es eine Autofahrerin? – hat seinen Kleinwagen neben einer improvisierten Absperrung geparkt, die eigentlich dazu da ist, ein Parkverbot zu signalisieren. Weil nämlich sonst die Müllwagen nicht mehr vorbeikommen. Genau das ist das Problem. Und zwar nicht zum ersten Mal.

 

Das geparkte Auto steht also fast mitten auf der Fahrbahn, auf der anderen Straßenseite parken selbstverständlich noch mehr Autos. Und nun kommen die fleißigen ...[mehr]


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Freitag, 14. Mai 2010 - 10:46 Uhr
Selbst-Disziplin ahoi!
Abgelegt unter: Alltag, Australien, Klima, Luxus, Reporteralltag  von Julica Jungehülsing [E-Mail]

Wir freien Journalisten, Freischreiber und selbstverwalteten Wortschmied-Betriebe jammern ja auch ganz gern mal (ich hab gehört, wir sind nicht die einzigen). Über vieles auch ausführlich, lange und nicht frei von Selbstmitleid (ok, jetzt rede ich nur über mich). Themen? Mannigfaltig: Verfall der Zahlungsmoral, fehlende Selbsthilfegruppen für an Schreibblock leidende Autoren, Mangel an Kinderkrippen für selbstständige Schreiberinnen ... ich könnte endlos weiter machen (und, really: wieso sollen derlei Diskussionen Kollegen in der Heimat vorbehalten bleiben?) Zu kurz kommt bei all diesem Gebrumme eindeutig ein wirklich wichtiges Klagefeld: Das Lamentieren über die an jeder Ecke lauernden Attacken auf die Selbstdiziplin des Freiberuflers (kein Boss der uns in den Hintern tritt, wenn wir denselben nicht hochbekommen, etc...). Daher hole ich das lange Versäumte jetzt kurz nach:

Wie soll ein ...[mehr]


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