Einträge aus der Kategorie Musik:


Mittwoch, 30. Juni 2010 - 02:28 Uhr
Party bei den Toten
Abgelegt unter: Alltag, Kultur, Musik, USA  von Christine Mattauch [E-Mail]

Ein Konzert auf einem Friedhof? Einen Moment glaubte ich, ich hätte mich verlesen. Doch da stand es, schwarz auf weiß, in der E-Mail meiner Freundin Carol, einer resoluten älteren Dame, die nicht zu dummen Scherzen neigt. „It is a really nice event“, ließ sie mich wissen. „Let me know if you want to join us.“ Das wollte ich allerdings.

Stattfinden sollte der „nice event“ nachmittags auf dem Green-Wood Cemetery, einem 1838 gegründeten Waldfriedhof im Brooklyner Stadtteil Greenwood Heights. Das Gelände ist riesig – fast 200 Hektar – mit Seen, Teichen, Hügeln und vielen, vielen Bäumen. Nicht nur deshalb ist dieser Friedhof ein wenig anders als die meisten. Viele berühmte und manche exzentrische Persönlichkeiten sind dort beerdigt und bilden eine ewig ruhende illustre Gemeinschaft: der Dirigent Leonard Bernstein; der Boxer und Gangster „Bill the Butcher“; der Vater des US-Präsidenten Theodore Roosevelt; Lola Montez, die Geliebte des bayerischen Königs Ludwig I. In der Fassade des pompösen Eingangstores nistet seit Jahren eine Kolonie grüner Papageien. ...[mehr]


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Mittwoch, 24. März 2010 - 08:09 Uhr
Nachruf auf einen Ort
Abgelegt unter: Kriminalität, Musik, Südafrika  von Judith Reker [E-Mail]

Ein Schotterweg auf flachem Land, eine dreiviertel Stunde südlich von Südafrikas Wirtschaftsmetropole Johannesburg, führt zur Farm von Zim Ngqawana. Bis vor kurzem leuchtete das kleine Schild "Zimology Institute" im Kegel der Autoscheinwerfer auf, man war angekommen. Wer in Südafrika Ngqawanas Musik hören wollte, musste sich hierher bemühen. Denn der Saxophonist, Flötist und Komponist ist mittlerweile erfolgreich genug, um sich solche Autonomie zu leisten. "Hier wird nach meinen Regeln gespielt", sagte er noch vor einem Jahr. "Wir können musizieren bis in die Morgenstunden, ohne dass uns jemand stört. Und das Publikum, das hierher kommt, weiß unsere Musik zu schätzen." Den Weg zur Farm fanden ohnehin nur hartgesottene Fans. Ngqawana machte keine Werbung für die Konzerte, es sprach sich einfach herum. Dann waren Helfer vor allem damit beschäftigt, die Zahl der Gäste auf rund 40 zu reduzieren, denn mehr Platz bot der intime Konzertraum nicht, den alle "die Kapelle" nannten.

Ngqawana ist ein charismatischer Mann, der sich mit kräftiger Statur, Glatze und Vierkantschädel zwischen den Gästen bewegte wie ein verehrter Patriarch inmitten seiner Familie. Es wurde gegrillt, gegessen, geredet, und manche Konzerte begannen erst kurz vor Mitternacht. Nach zwei oder drei Stunden ...[mehr]


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Freitag, 05. Februar 2010 - 08:00 Uhr
Feiern am Rande der Erde
Abgelegt unter: Kultur, Minderheiten, Musik, Nordeuropa, Norwegen  von Clemens Bomsdorf [E-Mail]

Die norwegische Kleinstadt Kirkenes liegt am äußersten nordöstlichen Rande des norwegischen Festlandes - von Oslo in etwa so viele Kilometer entfernt, wie Oslo auch von Rom entfernt ist. Seit einigen Jahren findet hier jährlich das Barentsspekatekel statt, ein Festival mit Theater, Musik, Kunst und Literatur. Vor allem die Beziehungen zum (oder besser: zu den) russischen Nachbarn - die Grenze ist 40 Kilometer entfernt - soll(en) durch das Festival auf dem nicht-politischen Wege verbessert werden. Scharenweise wurden russische Journalisten nack Kirkenes geladen, ebenso Künstler. Der hohe Norden (Highnorth oder Nordomradene) ist für Norwegen eine der wichtigsten Gegenden, schießlich gibt es hier einen Grenzkonflikt mit Russland (die Ziehung der Wassergrenze ist seit Jahrzehnten ungeklärt), in der Barentssee (dem russischen und norwegeischen Teil) werden umfangreiche Rohstoffvorkommen vermutet und der Klimawandel eröffnet die Nordostpassage, die an Kirkenes vorbeiführt. Die Stadt dürfte also Zukunft haben. Kulturell erlebt sie dieser Tage Anfang Februar einen kleinen Boom - am Eröffnungsabend bewiesen Musiker der nördlichen Naturvölker in Schweden, Finnland, Russland, Norwegen und Amerika, dass sie Musik machen können, die mit dem Klischee der Folklore nichts am ...[mehr]


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