| Einträge aus der Kategorie Irak: |
| Dienstag, 29. Juni 2010 - 17:41 Uhr |
| Brütende Hitze und kein Strom |
| Abgelegt unter: Irak von Birgit Svensson [E-Mail] |
Es hat schon Tradition, dass man im Irak im Sommer auf den Dächern schläft. Wenn das Thermometer über 50 Grad steigt und die Schwüle nicht mehr aus den Häusern weicht, bleibt einem nichts anderes übrig. Nur in den schlimmsten Terrorjahren 2006/2007 wurde es gefährlich. Mörsergranaten und Sprengsätze töteten die Menschen zuweilen im Schlaf. Mit der verbesserten Sicherheitslage hatten nun viele gehofft, dass auch dieser Sommer besser wird und etwas Normalität in ihr Leben bringen werde. Doch darin fühlen sie sich getäuscht. Nach wie vor kommt nur wenig Strom aus der Steckdose, manchmal tagelang gar nichts. Zum Betreiben von Klimaanlagen reicht es kaum. Die Menschen müssen wieder auf ihren Dächern schlafen, um wenigstens in den Morgenstunden eine leichte, erfrischende Brise einatmen zu können.
Doch die Iraker wollen sich das nicht mehr gefallen lassen. Der Stromnotstand führt zu immer stärkeren Protesten. Besonders im Süden Iraks, wo derzeit Temperaturen von bis zu 55 Grad Celsius herrschen, gingen schon Tausende wütend auf die Straße. Es gab Tote und Verletzte. Der Energieminister trat zurück, nachdem Demonstranten in Basra, Nassarija und auch Bagdad dies gefordert hatten. Der noch amtierende und um sein politisches Überleben kämpfende Premierminister Nuri al-Maliki rief seine Landsleute zu Geduld auf und machte seinen Ölminister nun auch verantwortlich ...[mehr] |
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| Montag, 29. März 2010 - 14:08 Uhr |
| Bagdads neue Freiheit |
| Abgelegt unter: Irak von Birgit Svensson [E-Mail] |
Die Maschine setzt in gleichmäßigem Flug zur Landung in Bagdad an. Vorbei sind die Zeiten, wo die Flughöhe bis über dem Flughafengelände beibehalten wurde und der Pilot dann spiralenförmig nach unten drehte. Dies war notwendig geworden, weil immer wieder Flugzeuge von den Aufständischen-Hochburgen Ramadi und Falludscha aus beschossen wurden. Flugzeuge, die aus dem Norden oder aus Jordanien die irakische Hauptstadt ansteuerten, waren besonders gefährdet. Für die Piloten war dies eine enorme Herausforderung. Aber auch für die Passagiere. Hatte man etwas gegessen, kam die Brechtüte zum Einsatz. Die weiche Landung lässt eine Verbesserung der Sicherheitslage erahnen. Und tatsächlich: Die Flughafenstraße sei jetzt eine der sichersten Straßen Bagdads, behauptet der Taxifahrer stolz. Nachdem in den schlimmsten Jahren des Terrors täglich bis zu zehn Sprengsätze am Straßenrand explodierten, herrscht derzeit fast Friedhofsruhe. Auch die Schilder an den amerikanischen Militärfahrzeugen, die die nachfolgenden Autos zum Abstandhalten aufforderten, sind verschwunden. Die Anschläge am Wahltag vor drei Wochen sind schon fast vergessen. Allerdings befürchten viele ein Wiederaufkeimen der Gewalt, sollte es nicht gelingen, die Fehden zwischen den Politikern beizulegen. Der noch amtierende Premierminister Nuri al-Maliki will das Wahlergebnis nicht anerkennen, das ihn knapp hinter seinem ...[mehr] |
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| Donnerstag, 04. März 2010 - 08:00 Uhr |
| Ausgangssperre und Abaja zum Wahltag in Bagdad |
| Abgelegt unter: Alltag, Frauen, Irak, Reporteralltag von Birgit Svensson [E-Mail] |
An zwei Dinge kann ich mich nicht gewöhnen, obwohl ich schon seit fast sieben Jahren im Irak arbeite. Ausgangssperren und die schwarze islamische Kleidung sind mir nach wie vor ein Gräuel. Über vier Jahre lang herrschten in Bagdad permanente Sperrstunden, deren Anfang je nach Sicherheitslage nach hinten verschoben wurde. Sie begannen um 19 Uhr, 20 Uhr oder im besten Falle um 22 Uhr und galten immer bis morgens um sechs. Hinzu kamen monatelange Ausgangssperren am Freitag Vormittag. Man musste sich also immer informieren , wann man das Haus verlassen konnte, ob zu Fuß oder mit dem Auto. Irgendwann hatten die Bagdader entschieden, dass sie grundsätzlich nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr auf die Straßen gingen. Die Stadt war am Abend ausgestorben. Totale Ausgangssperren jedoch waren das schlimmste. Sechs Millionen Menschen blieben dann tagelang vollkommen eingesperrt. Niemand durfte sich auf den Straßen blicken lassen, außer Soldaten, Panzern und Militärfahrzeugen. Bagdad wurde zum Gefängnis. Offiziell wurden die Ausgangssperren letztes Jahr aufgehoben, doch nach den schweren Terroranschlägen im November und Dezember gelten sie wieder ab Mitternacht. Fünf nach zwölf ist Bagdad tot. Zu den Wahlen am 7. März soll es nun auch tagsüber wieder ruhig sein. Die Regierung will ein Fahrverbot verhängen. Man diskutiert noch, ob diese Maßnahme nur einen oder gar zwei Tage vor dem Urnengang verhängt ...[mehr] |
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| Mittwoch, 30. Dezember 2009 - 13:10 Uhr |
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| Abgelegt unter: Irak von Birgit Svensson [E-Mail] |
Hilferuf aus Bagdad
Manchmal spielt der Technikteufel Streiche und transportiert nicht das, was man abschickt. So auch der untenstehende Hilferuf der Organisation für die Verteidigung der Pressefreiheit im Irak für einen Journalisten-Kollegen in Not. Ich bekam den Notruf gestern und hatte ihn postwendend in den WR-Blog überstellt. Heute nun musste ich feststellen, dass der Hilferuf auf der Webseite nicht ankam. Also deshalb nochmals, hoffentlich mit Erfolg.
Die Organisation für die Verteidigung der Pressefreiehit im Irak ist nach dem Sturz Saddams gegründet worden und überwacht seitdem die durch die US-Administration eingeführte Pressefreiheit im Zweistromland. Dabei muss sie in den letzten Monaten immer mehr Verstöße feststellen. Nach wie vor ist der Irak eines der gefährlichsten Pflaster für Journalisten auf diesem Planeten. Es werden immer noch Kollegen bedroht, angegriffen, angeschossen und ermordet. Laut "Reporter ohen Grenzen" ist einzig die Situation in Somalia für uns Medienvertreter schlimmer als im Irak. Deshalb erscheint es mir wichtig, den Kollegen in Not zu helfen. Ich tue was ich kann, um das Schicksal von irakischen Kollegen publik zu machen und Hilfe zu organisieren. Mit diesem Blog möchte ich in die Welt fragen, ob jemand Rat weiß, damit Ibrahim al-Katib wieder als Journalist arbeiten kann.
Hier der Hilferuf aus Bagdad ...[mehr] |
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| Sonntag, 29. November 2009 - 11:29 Uhr |
| Traumstädte mit Strom und Wasser |
| Abgelegt unter: Irak von Birgit Svensson [E-Mail] |
Mein neues Zuhause liegt im English Village, im englischen Dorf, eines der unzähligen Neubauviertel, die im nordirakischen Erbil derzeit wie Pilze aus dem Boden wachsen. Während Dream City, das amerikanische Dorf, die New Zealand City oder wie sie sonst alle heißen noch mehr einer Baustelle gleichen, ist das English Village bis auf einige Häuser fast fertig. Wie Stadtvillen sehen die eng aneinander stehenden Gebäude aus. Innen sind sie geräumig, nach oben offen, einstöckig. Ein von der Hitze des Herbstes ausgebrannter Rasen zieht sich wie ein Handtuch um jede Villa. Eine englische Baufirma war hier federführend und hat dem Ensemble einen Vorstadtcharakter gegeben. Doch mit der gewohnten britischen Vorstadtidylle hat das British Village in Erbil nicht viel gemein. Hinter der Umzäunung wachsen wilde Müllkippen, die ein vermehrtes Fliegen- und Mückenaufkommen hervorbringen. Es gibt keine Einkaufsmöglichkeiten im Dorf, nicht einmal ein Pub. Trotzdem zieht es immer Menschen hierher, denn der ausschlaggebende Punkt hier zu wohnen, ist ein in Europa zur Selbstverständlichkeit gewordenes Phänomen: Es gibt 24 Stunden Strom und ausreichend Wasser.
Wer in den letzten Jahren im Irak gelebt hat, weiß dies zu schätzen. Mehrere Stunden werden täglich nur damit verbracht, Generatoren in Gang zu halten, das zuweilen rare Diesel auf dem Schwarzmarkt zu besorgen, Ersatzteile für die verschleißten ...[mehr] |
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| Donnerstag, 29. Oktober 2009 - 20:56 Uhr |
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| Abgelegt unter: Irak von Birgit Svensson [E-Mail] |
Iraks zerplatzte Hoffnungen
Und wieder ist eine Hoffnung zerplatzt. Nach fast sechs Jahren Bomben und Terror, glaubte ich, mal über etwas anderes als nur Zerstörung und Tod aus dem Irak berichten zu dürfen. Die Anschläge haben sich seit Anfang des Jahres merklich reduziert, die Einwohner Bagdads schöpften Zuversicht. Die Provinzwahlen im Januar waren als Meilenstein für die weitere Entwicklung Iraks betrachtet worden. Sie verliefen weitgehend friedlich und unproblematisch. Anders als in Afghanistan, scheint die Wahlkommission im Irak gute Arbeit zu leisten. Zwar gab es einige Beschwerden und Betrugsvorwürfe. Denen ist aber akribisch nachgegangen worden unter Oberaufsicht der Uno. Der Leiter der Wahlkommission musste sich vor dem Parlament verantworten. Die Parlamentarier haben ihn reichlich „gegrillt“. Das scheint eine wirksame Methode gegen einen ungehemmten Auswuchs von Korruption und Betrügereien. Gleichwohl steht auch der Irak auf der Liste von Transparency International als einer der korruptesten Staaten auf diesem Erdball.
Mit dem Argument der Verbesserung der Sicherheitslage zogen sich die Amerikaner Ende Juni aus den Städten zurück. Die Iraker jubelten und Premierminister Nuri al-Maliki ließ sich im allgemeinen Freudentaumel zu dem Satz hinreißen, man werde die Amerikaner nicht von ihren Stützpunkten zurückholen. „Das mit der Sicherheit ...[mehr] |
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| Mittwoch, 14. Oktober 2009 - 23:26 Uhr |
| Arabische Feministinnen rechnen mit dem Westen ab |
| Abgelegt unter: Frauen, Irak, Islam, Libanon von Birgit Kaspar [E-Mail] |
Wie stellen Sie sich arabische Feministinnen vor? Frauen, die sich den Schleier herunter reißen? Die für Abtreibungsrechte, offene Partnerschaften und das Recht auf Beruf statt Kind kämpfen? Weit gefehlt. Die arabischen Feministinnen sind anders. Sie betonen ihre Weiblichkeit, Kinder zu haben ist in diesen Gesellschaften ein zentraler Wert - auch in den Augen der Frauen. Ein Zeichen der Emanzipation ist hier beispielsweise, sich am politischen Widerstand gegen israelische oder westliche Besatzung zu beteiligen. All das verstünden die westlichen Schwestern nicht, drum könne man auch auf ihre wohlgemeinte Unterstützung verzichten, man müsse einen eigenen Weg gehen.
Drei Tage lang debattierten mehr als 50 arabischen Frauenrechtlerinnen und Feminismusforscherinnen, in welche Richtung sie sich in Zukunft bewegen wollen. Es war ein emotionales Treffen an der Amerikanischen Universität Beirut . Es wurde gestritten, man klopfte sich gegenseitig auf die Schulter und es wurden viele Fragen gestellt. Vorne weg diese: Welches ist der richtige Platz für Feminismus in einer Umgebung, die wie die unsere durch Kriege, Bürgerkriege, Armut, autoritäre Regime, ein Fehlen der Bürgerrechte, durch militärische Angriffe und Umsturzversuche aus dem Ausland geprägt ist?
Weil ihr Lebensraum so aussieht, bewegen ...[mehr] |
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