Einträge aus der Kategorie Ägypten:


Samstag, 19. Juni 2010 - 02:56 Uhr
Wer hat Angst vorm schwarzen Facebook-Mann?
Abgelegt unter: Afrika, Ägypten, Internet, Jugend, Kriminalität, Medien, Menschenrechte, Politik  von Jürgen Stryjak [E-Mail]

Am 7. Juni wurde in Alexandria der 28jährige Khaled Said von Polizisten aus einem Internetcafé gezerrt und zu Tode misshandelt. Brutale Polizeiwillkür ist in Ägypten keine Seltenheit. Wie bei anderen Anlässen zuvor, zeigt auch diese Tragödie, dass das Land zu jenen auf der Welt gehört, in denen Facebook als zentrales Protestmedium kaum noch wegzudenken ist. Die Gruppe »Wir alle sind Khaled Said« hat jetzt – nicht mal zwei Wochen nach dem tragischen Tod – 112.000 Mitglieder. Die Gruppe »Ich heiße Khaled Muhammad Said« bringt es auf fast 200.000.

Das Web 2.0 als Plattform des Widerstandes ist kein Novum in Ägypten. Über die Facebook-Gruppe »Mohamed ...[mehr]


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Sonntag, 13. Juni 2010 - 04:12 Uhr
Die Fußball-WM - Business as usual?
Abgelegt unter: Afrika, Ägypten, Deutschland, Luxus, Medien, Medienkritik, Sport, Südafrika, Wirtschaft  von Jürgen Stryjak [E-Mail]

Vor genau einem Jahr saß ich mit Kai Schächtele im La Siesta Resort am Roten Meer im Cafe »Cute«. Zusammen mit Dutzenden Ägyptern guckten wir das Confed-Cup-Fußballspiel Ägypten–Italien auf einem Großbildschirm. Ein denkwürdiger Abend. Es war das erste Mal seit Jahrzehnten, dass ich mir ein Fußballspiel anschaute, Kai zuliebe, ich wollte ein guter Gastgeber sein. Die Stimmung war hervorragend, Ägypten gewann 1:0.

Jetzt beschäftigt mich Fußball wieder, und wieder ist Kai schuld. Gemeinsam mit Christian Frey präsentiert er täglich Reportagen ...[mehr]


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Mittwoch, 21. April 2010 - 01:20 Uhr
Globalisierung (Fortsetzung)
Abgelegt unter: Ägypten, Alltag, Island, Luxus, Reise, Reporteralltag  von Jürgen Stryjak [E-Mail]

Der Gerechtigkeit wegen sei erzaehlt, dass Globalisierung nicht nur muerrisch (siehe Teil 1), sondern auch Spass machen kann. Naemlich dann, wenn die 23jaehrige Shari Chopra aus Duesseldorf nach einer Zwischenstation in Namibia im aegyptischen El Gouna am Roten Meer das kleine Restaurant 'Le Garage - Gourmet Burger' eroeffnet und mir heute dort den besten Burger meines Lebens servierte. Blauschimmelkaese, Walnuesse und Weintrauben auf einem Fleisch, das offensichtlich im Hamburger-Himmel gegrillt wurde. Dabei sind Burger ueberhaupt nicht mein Ding!

Das alles nebst Salat und French Fries war jeden einzelnen Piaster der umgerechnet 11 Euro wert. Leute, fuer die Hamburger ein Statussymbol sind, finden auf der Karte 'The Golden One' fuer umgerechnet 40 Euro: Wagyu-Rindfleisch, Foie Gras, Carpaccio ...[mehr]


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Montag, 19. April 2010 - 00:49 Uhr
Papa, was ist eigentlich Globalisation?
Abgelegt unter: Afrika, Ägypten, Europa, Island, Nordeuropa, Reise, Reporteralltag, Verkehr, Wirtschaft  von Jürgen Stryjak [E-Mail]

Nun, mein Junge, es heisst Globalisierung, und Globalisierung ist, wenn in Island ein Vulkan ausbricht, und ich hier in Afrika kein Hotelzimmer finde, weil massenweise Urlauber nicht in ihre Heimatlaender reisen koennen. Deren Rueckfluege wurden naemlich gestrichen.

Die Hotelbetreiber in Hurghada, wo ich heute zwangsweise eintraf, weil ich was recherchieren muss, also diese Hotelbetreiber in dieser Pauschaltouristenhoelle sagen ihren Gaesten, sie sollten nun selber sehen, wo sie bleiben, weil man den Touristen, die aus Russland jetzt ankommen, ihre gebuchten Zimmer nicht verweigern koenne. Deren Fluege wurden ja nicht gestrichen.

So fuehrt der Vulkanausbruch auf Island zu einem Touristenstau in Afrika. Und zu einer Preisexplosion bei den Zimmerpreisen, denn dieselben Hotelbetreiber haben angesichts der zwangsgestiegenen Nachfrage flugs die Raten um schaetzungsweise 30 Prozent erhoeht, gepriesen seien die Naturgewalten. Man kann also sagen, dass mein Geldbeutel in Afrika duenner wird, wenn auf Island ein Vulkan ausbricht. Das ist Globalisierung - oder besser die noch etwas unausgereifte Beta-Version davon.

Ganz zu schweigen davon, dass ich diesen Blogeintrag hier im Internetcafe nahezu blind auf einem kyrillischen Keyboard schreibe.


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Sonntag, 28. März 2010 - 23:59 Uhr
Badische Backstub im Bom Bom Gym
Abgelegt unter: Afrika, Ägypten, Alltag, Luxus, wohnen  von Jürgen Stryjak [E-Mail]

Der lieben Bewegung wegen gehe ich seit kurzem manchmal in ein Sportstudio mit dem schrägen Namen Bom Bom Gym. Ich verlasse mein Bürogebäude durch den Hinterausgang und laufe zehn Minuten durch ein Armenviertel. An der Stelle, wo das Viertel langsam ins alte Kairoer Arbeiterviertel Boulaq Abul-Eila übergeht, befindet sich das Bom Bom Gym, nicht größer als zwei Wohnzimmer, mit ein paar einfachen Sportgeräten, die vielleicht in den dunklen Werkstätten des Armenviertels hergestellt wurden.

Natürlich gibt es keine Klimaanlage. Die Dusche ist auch nicht gerade ein Spa, und in der Toilette brennt kein Licht. Durch die Fenster zieht von der Straße der Dunst einer nahen Falafelbraterei. Alles sieht ein bisschen so aus, als würden im Bom Bom Gym die Kleinkriminellen der Nachbarschaft trainieren, für einen unschlagbaren Monatsbeitrag von umgerechnet acht Euro. Neulich hatte einer von ihnen ein gelbes T-Shirt mit dem deutschsprachigen Aufdruck »Badische Backstub – einfach besser...« an.

Er hatte es auf der Straße um die Ecke gekauft. In Boulaq gibt es Hunderte Straßenstände mit Billigklamotten á la Adidos und Wrengler und offensichtlich auch mit günstigen Werbe-T-Shirts. Vielleicht werden sie ja hier hergestellt. In dem ...[mehr]


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Freitag, 29. Januar 2010 - 00:14 Uhr
Wegelagerer im Internet
Abgelegt unter: Ägypten, Internet, Medien, Medienkritik, Wirtschaft  von Jürgen Stryjak [E-Mail]

Wenn ich durchs Internet surfe, höre ich Stimmen. Überall wird es mir zugeraunt und zugeflüstert: 'Sign up! Register now! Wir sind an Ihrer Meinung interessiert! Hallo, melden Sie sich bitte an! Neu hier?'

Manchmal will ich unbedingt auf eine Webseite. Ein einziges Mal nur, um dort jetzt, aber danach nie wieder irgendetwas zu erfahren oder zu tun. Dann registriere ich mich schnell und fülle die Lochmasken mit lauter Quatsch aus. Ich denke mir Namen aus, ein fiktives Geburtsdatum, eine Postleitzahl, die mit meiner echten keine Ähnlichkeit hat, und wenn nötig, auch irgendwelche Phantasieinteressen. Meistens bin ich in den Achtzigern geboren – wer möchte nicht gern jünger sein. Mein Nettohaushaltseinkommen ist natürlich immer so hoch, wie ich es mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorzustellen wage. Es kam sogar schon vor, dass ich mir rasch ein GMX-eMail-Konto einrichtete, nur für diese eine Stunde. Um sicher zu gehen, dass ich später nicht etwa ungewollt Werbung erhalte.

Damit bin ich wahrscheinlich der Supergau aller Online-Marketingexperten. Also für jene Leute, die zu ihren Werbekunden gehen und behaupten, sie könnten so zielsicher wie nie zuvor genau die potentiellen Kunden erreichen, für die ihr Produkt entwickelt wurde.

Sagen wir mal, ich melde mich durchschnittlich zweimal pro Jahr irgendwo an, um hier oder da reinzukommen. Dann konnten in den letzten zehn Jahren ...[mehr]


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Samstag, 28. November 2009 - 20:06 Uhr
Schwarzer Peter im Glashaus
Abgelegt unter: Ägypten, Deutschland, Islam, Kriminalität, Medien, Medienkritik, Minderheiten, Terrorismus  von Jürgen Stryjak [E-Mail]

Als ich am Morgen des 6. Juli, einem Montag, ins ARD-Hörfunkstudio Kairo kam, fragte mich eine ägyptische Mitarbeiterin, ob ich von dem Mord an Marwa El-Sherbini im Dresdner Landgericht gehört hätte und warum die deutschen Medien und deutsche Politiker die Tat immer noch verschweigen würden. Tun sie sicher nicht, erwiderte ich und schaute später in den Archiven nach. Ich wollte der Kollegin das Gegenteil zu beweisen. Es gelang mir nicht, sie hatte recht. In den fünf Tagen nach dem Mord an der Ägypterin, der am Mittwoch zuvor stattfand, waren Meldungen außerhalb der Vermischtes-Seiten oder des Polizeireports die Ausnahme, vom Tathintergrund ganz zu schweigen.

Noch am selben Tag produzierte ich einen Hörfunkbericht mit O-Tönen, der die Reaktionen in ägyptischen Talkshows, Zeitungen und von Passanten auf Kairos Straßen zusammenfasste. Eine knappe Woche nach der Tat meldete sich dann endlich auch die Bundesregierung in Gestalt des Regierungssprechers zu Wort, mit enttäuschend hinhaltender Rhetorik: Sollte es sich herausstellen..., so werde man... aufs Schärfste verurteilen... usw... Andrea Dernbach fragte ...[mehr]


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Donnerstag, 29. Oktober 2009 - 04:00 Uhr
Rummelplatz mit Verkehrsinfarkt
Abgelegt unter: Afrika, Ägypten, Alltag, Verkehr, Zukunft  von Jürgen Stryjak [E-Mail]

Für ein Buchprojekt über die informellen Wohnviertel von Kairo ließ ich mir vor einer Weile im ägyptischen Ministerium für Stadtentwicklung Kairos Zukunft erklären. Man rechnet dort damit, dass in zehn Jahren rund 24 Millionen Menschen in der Megacity wohnen, im Jahr 2050 dann zwischen 32 und 34 Millionen. Das wird ein ziemliches Chaos werden, zumal der interne Kairo-Masterplan, den man mir netterweise kopierte, deutlich mehr Mubarak-Fotos enthielt als konzeptionelle Ansätze gegen die Apokalypse.

Zum Schlamassel, der den schleichenden Tod der Stadt herbeiführt, zählt die Tageszeitung Al-Masry al-Youm ...[mehr]


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Montag, 28. September 2009 - 10:39 Uhr
Der Kieferorthopäde vom Khan El-Khalili
Abgelegt unter: Ägypten, Alltag, Blog Special , Deutschland  von Jürgen Stryjak [E-Mail]

»Good price, only today, nur gucken«, das sind Floskeln, die so manchem Ägypten-Reisenden noch Monate lang im Ohr klingeln. Kein Schritt über den Khan El-Khalili in Kairo, der Mutter aller Basare, der nicht einem Spießrutenlauf durchs Spalier ganzer Händlergroßfamilien gleicht. Onkel, Neffen und der Bruder vom besten Freund des Ladenbesitzers, und alle beherrschen jene Floskeln in einem halben Dutzend Sprachen, mindestens. Wer in einen ihrer Läden schaut, hat schon verloren. Egal, was er kauft, er hat das zu einem völlig überhöhten Preis getan. Abgesehen davon, dass es meistens sowieso Tinnef ist.

Dann steigt der Tourist in ein Taxi und zahlt ein Vielfaches von dem, was ein Ägypter bezahlen würde. Er holt sich eine Flasche Mineralwasser am Kiosk und wird auch dort ausgenommen. Das Gefühl, der Abzocke hilflos ausgeliefert zu sein, nervt - selbst mich, der ich nach über zehn Jahren in Kairo die wirklichen Preise kenne und mich (meistens) wehren kann.

Viele lieber würde ich mich den Nervereien widmen, die wirklich unvermeidbar sind, statt Taxifahrer an der Gurgel zu haben oder von einem angefahren zu werden, der den Rückwärtsgang einlegt, wenn ich aussteige, um mich wütend mit seiner Heckstange umzunieten. Nur weil ich den von ihm geforderten Fahrpreis nicht zahlte. So etwas passiert mir immer wieder.

Gern beobachte ich deutsche Freunde, die hier zu Besuch ...[mehr]


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Dienstag, 07. April 2009 - 10:12 Uhr
Morgens auf dem Planeten Erde (6): Kairo
Abgelegt unter: Ägypten, Blog Special , Reporteralltag  von Jürgen Stryjak [E-Mail]

In Kairo beginnt der Tag zwei Mal. Das erste Mal, kurz vor Sonnenaufgang, erschallt der Ruf zum muslimischen Morgengebet, dem Salat ul-Fajr, heute um 4.08 Uhr. Er ertönt aus den Lautsprechern der Moscheen und Gebetsstuben, die zu Zehntausenden übers gesamte Stadtgebiet verteilt sind. Diesen Gebetsruf, arabisch Azzan, höre ich nicht, er weckt mich nicht auf. In meinem Stadtteil Dokki wie in vielen anderen Nachbarschaften ab Mittelklasse aufwärts, ist die Moscheedichte nicht so hoch. Anders in ärmeren Vierteln. Hier kann der Gebetsruf kaum ignoriert werden. Oft erschallt er aus billigen Lautsprecheranlagen, übersteuert und krächzend. Nicht selten übertragen besonders eifrige Moscheediener vor dem Azzan eine Viertelstunde lang noch Koranrezitationen, in der Hoffnung, das würde die Leute frommer machen.

Trotzdem bleiben die Reihen der Betenden zu dieser frühen Stunde meistens ziemlich kurz. Nur wenige Unermüdliche oder Frühschichtler schleichen durch die halbdunklen Straßen zur Kiezmoschee um die Ecke. Das zweite Mal beginnt der Tag ein paar Stunden danach, in ...[mehr]


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