Einträge aus der Kategorie Deutschland:


Mittwoch, 01. September 2010 - 02:42 Uhr
»Der Islam ist beendet!« – Sarrazin und Schlingensief
Abgelegt unter: Deutschland, Islam, Literatur, Medien, Minderheiten, Politik, Religion, Zukunft  von Jürgen Stryjak [E-Mail]

Die Sarrazin-Debatte ist in full swing. Es ist weder möglich, noch nötig, dem Ganzen einen Aspekt hinzuzufügen. Die Debatte ist da, wenn ich morgens das Radio anschalte, sie ist immer noch da, wenn ich am Nachmittag zur Zeitung greife, und sie hat nicht aufgehört, wenn ich abends in die Röhre gucke, sollte das mal vorkommen.

Ich bin mir nicht sicher, ob Sarrazin ein Rassist ist. Ich halte ihn für einen Demagogen mit faschistoiden Gedankenansätzen. Oder wie soll man es sonst nennen, wenn ganze Bevölkerungsgruppen – unabhängig von dem, was der oder die Einzelne tut oder lässt – in die Tonne getreten werden?

Das Gute an der Debatte: Die politische und mediale Öffentlichkeit weist, quer durch alle Weltanschauungen, Sarrazins Sündenbockthesen entschieden zurück. Das hat was mit dem Immunsystem einer Gesellschaft zu tun und stimmt leicht optimistisch, vielleicht sind wir Brandstiftern ja gar nicht hilflos ausgeliefert. Die wenigen namhaften Befürworter, die ihm zur Seite springen, verteidigen ihn ähnlich schrill.

Dennoch wird das Phänomen Sarrazin nicht mehr verschwinden. Die Debatte findet in jenem Schatten statt, den zukünftige Verteilungskämpfe bereits jetzt auf uns werfen. Oder ...[mehr]


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Montag, 30. August 2010 - 16:38 Uhr
Die Kunst der Namensgebung
Abgelegt unter: Alltag, Deutschland, Frauen, Reise, Reporteralltag, USA  von Christine Mattauch [E-Mail]

Es ist Zeit für eine Enthüllung. Ich heiße gar nicht Christine Mattauch. Juristisch gesehen jedenfalls. Das hätte mich vergangenen Freitag fast die Einreise in die USA gekostet.

Schuld daran ist mein Eigensinn. Als vor vier Jahren der beste aller Männer um meine Hand anhielt, sagte ich nicht nur Ja, sondern beschloss zugleich, seinen Namen anzunehmen und damit alles Frauenrechtlertum über Bord zu werfen. Halt – nicht alles. Natürlich wollte ich weiter unter meinem Mädchennamen schreiben, der nach über 20 Jahren im Journalismus so etwas wie eine Marke geworden war. Das lieferte der Frauenrechtlerin in mir den perfekten Grund, den alten Namen irgendwie doch beizubehalten. Ich verfiel auf die Idee, ihn im neuen Pass als Künstlernamen eintragen zu lassen. Liebende Frauen müssen nicht logisch sein.

Der Beamte auf dem deutschen Konsulat in New York staunte nicht schlecht. „Den Mädchennamen als Künstlernamen? Wieso wollen Sie das denn, vorne wird ‚geborene Mattauch’ eingetragen, da sieht doch jeder, dass Sie mal so geheißen haben.“ Ich erklärte. Er verstand trotzdem nicht. Ich hatte keine Lust mehr zu erklären und wurde formal: „Aber es geht doch?“ – „Es geht. Allerdings nicht mehr lange.“ – „Aber jetzt geht es noch?“ Pause. Dann gab er auf: „Ja.“

Formal heiße ich also seit dreieinhalb ...[mehr]


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Samstag, 31. Juli 2010 - 03:20 Uhr
Allah macht hart
Abgelegt unter: Deutschland, Islam, Jugend, Kriminalität, Medien, Medienkritik, Minderheiten, Politik, Religion  von Jürgen Stryjak [E-Mail]

Das »journalistische Desaster«, wie Jörg Lau von der ZEIT es in einem Gastvortrag nannte, begann am 5. Juni und nahm in den Wochen danach seinen ungebremsten Lauf. Es ist einer jener Wahrnehmungsunfälle, die im Stimmengewirr unserer postmodernen Medienwelt inzwischen leider all zu oft die Normalität sind. Den Anfang macht eine kurze, zweiseitige Zusammenfassung einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN). Ihr widmen sich an jenem 5. Juni zuerst die Süddeutsche Zeitung und dann die Nachrichtenagenturen.

In der KFN-Studie geht es auch und unter anderem um den Zusammenhang zwischen der Religiosität junger Muslime in Deutschland und ihrer Bereitschaft zu Gewalt. Die zweiseitige Zusammenfassung behauptet: »Für junge Muslime geht … die zunehmende Bindung an ihre Religion mit einem Anstieg der Gewalt einher....[mehr]


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Montag, 26. Juli 2010 - 06:09 Uhr
Neuer Job für Paul
Abgelegt unter: Deutschland, Indonesien, Medien, Sport  von Christina Schott [E-Mail]

Die meisten Indonesier sind abergläubisch und fast alle sind fußballverrückt. Der wahrsagende Tintenfisch Paul aus Oberhausen wurde daher im Inselstaat auf der anderen Seite der Welt zur willkommenen Sensation: Am Ende der Fußball-WM verging keine indonesische Nachrichtensendung ohne eine Meldung über „Gurita Paul“.

Doch während sich der Fußballrausch in Indonesien allmählich wieder gelegt hat, saugt sich der achtarmige Wahrsager weiterhin hartnäckig in den hiesigen Medien fest. Auf diversen Websites wird diskutiert, ob Paulchens Vorhersagen ausreichten, um auch politische oder religiöse Führer zu ersetzen.

Am vergangenen Samstag zeichnete der Karikaturist der englischsprachigen Tageszeitung „The Jakarta Post“ Paul zum Beispiel als Schiedsrichter in einem aktuellen Steuerhinterziehungsfall:...[mehr]


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Mittwoch, 07. Juli 2010 - 18:05 Uhr
Begegnung mit einem deutschen Prinz in Hollywood
Abgelegt unter: Außenpolitik, Deutschland, Kultur, Luxus, Monarchie , Reporteralltag, USA  von Kerstin Zilm  [E-Mail]

 

'Prinz Frederic, Hello!' - der deutsche Akzent war so stark, dass ich ziemlich sicher war: der Prinz ist höchstpersönlich am Telefon! Ich fragte lieber nochmal nach. Bis dahin dachte ich, Prinzen haben Butler, die den Hörer abnehmen, während die Hoheiten - so sie denn in Beverly Hills residieren - mit gekühltem Drink am Swimmingpool liegen, umgeben von Bediensteten, die ihnen jeden Wunsch von den Lippen ablesen. Aber nein - Prinz Frederic geht tatsächlich persönlich ans Telefon. Vielleicht ist das noch eine Angewohnheit aus seiner Zeit als Hans Robert Lichtenberg, bevor er dank Vermittlung und Bezahlung des Titel-Großhändlers \'Konsul\' Hans-Herrmann Weyer von Prinzessin Marie Auguste adoptiert und damit zum Verwandten von Kaiser Wilhelm wurde. 

 

Jetzt tritt der deutsche Prinz an für die Nachfolge von Arnold Schwarzenegger, will Gouverneur von Kalifornien werden. Sein Wahlprogramm: Marijuana, Prostitution und kubanische Zigarren legalisieren und versteuern, die Homo-Ehe erlauben, die Grenze zwischen USA und Mexiko öffnen. Damit will er die knapp 20 Milliarden Dollar Haushaltsdefizit ausgleichen und sich die Stimmen von Latinos, Schwulen und Lesben sichern....[mehr]


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Donnerstag, 24. Juni 2010 - 11:38 Uhr
Diplomatie und Kunst
Abgelegt unter: Asien, Außenpolitik, China, Deutschland, Goethe, Kultur  von Markus Rimmele [E-Mail]

Deutschlands Mann in Hongkong, Generalkonsul Frank Burbach, ist ein doppelt begabter Mensch. Er kann seinen diplomatischen Pflichten nachkommen, und er kann Bilder malen. Nach Ansicht des Hongkonger Goethe-Instituts malt Herr Burbach sogar so gute Bilder, dass dieser jüngst seine Werke in den Goethe-eigenen Ausstellungsräumen zeigen durfte. „Transition“ hieß die Ausstellung - weil sich Herr Burbach gerade in einem Übergang befinde, schreibt die Goethe-Webseite. Sein Hongkonger Posten geht nämlich gerade zu Ende und er selbst in Pension.

 

 

 

Über die Qualität der Burbachschen Kunstproduktion möchte ich mir kein Urteil erlauben (böse Zungen sprechen von „Sonntagsmalerei“). Ich weiß nur, dass es für andere in Hongkong ansässige deutsche Kunstschaffende äußerst schwer ist, in der durchaus renommierten Goethe-Galerie ausstellen zu dürfen. Ich weiß auch, dass das Goethe-Institut ...[mehr]


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Montag, 14. Juni 2010 - 17:01 Uhr
Keine Chance für Fußball-Muffel in Beirut
Abgelegt unter: Alltag, Deutschland, Libanon, Sport  von Birgit Kaspar [E-Mail]

Nun ist es also soweit: Nicht genug damit, dass man den Mücken in unserem Haus um diese Jahreszeit nur unterm Moskitonetz vollständig entkommt. Aus dem Wohnzimmer tönt zudem das Geräusch eines Schwarmes tausender heranschwirrender Moskitos – auch wenn es tatsächlich glücklicherweise nur das Konzert dieser Ohren-beleidigenden Vuvuzela-Trompeten ist. Im Wohnzimmer sitzt mein Mann, Schotte, Fußballfan und schaut begeistert den Worldcup, unterbrochen nur vom Ausfall der Satellitenübertragung von Al Jazeera. Das aber regelmäßig.

Nun könnte man meinen, Türen schließen würde helfen. Aber es ist Sommer, die Temperaturen liegen auch am frühen Abend noch bei 30 Grad C und die Luftfeuchtigkeit in Beirut steigt. Da öffne ich persönlich gerne die Fenster. Damit befinde ich mich leider in bester Gesellschaft. Drum schallen eben jene Vuvuzelas sowie die Jubelschreie der Nachbarn, wann immer ein Tor für ihre Lieblingsmannschaft gefallen ist, ungefiltert zu mir herüber. Als Deutschland die australische Mannschaft vorgestern mit 4:0 besiegte, ging es besonders hoch her. Schreie, Freudenschüsse, Knallgranaten und Hupkonzerte – die Libanesen lieferten die ganze Palette.

Denn ...[mehr]


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Montag, 14. Juni 2010 - 14:22 Uhr
Rundes im Eckigen am frühen Morgen. Und Tröten auf die Ohren
Abgelegt unter: Australien, Deutschland, Sport  von Julica Jungehülsing [E-Mail]

Das Gute an der bösen Niederlage für die Australier heute früh beim Fussballspielen in Südafrika? Nicht sonderlich viel. Aber wir denken hier unten gern positiv, sind eine Sportsnation, leben im Land des fair-go, und auch verlieren muss können, wer mal gewinnen will. Daher nenne ich jetzt rasch die zwei Vorteile des 0 zu 4 aus australischer Sicht- (und Hör)weise:

Erstens haben die meisten Australier das Debakel nicht live ansehen müssen. Um 4.30 Uhr am Montag morgen (Anpfiff) schlafen hier einfach viele. (Auch wenn Queen's Birthday und damit Montag Feiertag war. Jedenfalls überall außer im Westen Australiens, wo die Queen an einem anderen Tag geboren ist). 

Zweitens haben die meisten das Desaster nicht mit anhören müssen. Weil sie ob des nervigen Getrötes dieser Trompeten kaum die Kommentare geschweige denn was anderes ...[mehr]


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Sonntag, 13. Juni 2010 - 04:12 Uhr
Die Fußball-WM - Business as usual?
Abgelegt unter: Afrika, Ägypten, Deutschland, Luxus, Medien, Medienkritik, Sport, Südafrika, Wirtschaft  von Jürgen Stryjak [E-Mail]

Vor genau einem Jahr saß ich mit Kai Schächtele im La Siesta Resort am Roten Meer im Cafe »Cute«. Zusammen mit Dutzenden Ägyptern guckten wir das Confed-Cup-Fußballspiel Ägypten–Italien auf einem Großbildschirm. Ein denkwürdiger Abend. Es war das erste Mal seit Jahrzehnten, dass ich mir ein Fußballspiel anschaute, Kai zuliebe, ich wollte ein guter Gastgeber sein. Die Stimmung war hervorragend, Ägypten gewann 1:0.

Jetzt beschäftigt mich Fußball wieder, und wieder ist Kai schuld. Gemeinsam mit Christian Frey präsentiert er täglich Reportagen ...[mehr]


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Sonntag, 06. Juni 2010 - 10:39 Uhr
Alle Jahre wieder
Abgelegt unter: Deutschland, Medien  von Clemens Bomsdorf [E-Mail]

Es ist wieder Juni und wieder bin ich für eine Konferenz einige Tage in Berlin (siehe meinen EIntrag von Juni 2009 und wenn dieser jenem sehr ähnich ist, ist das gewollt). Diesmal hat man mich im Marriott einquartiert. Das Haus am am Potsdamer Platz gehört zu den nobelsten der Hauptstadt. Im Frühstücksraum angekommen, blickte ich am ersten Morgen in nahezu fieberhafter Erwartung auf das Zeitungsangebot, das mir präsentiert wurde. Zwar habe ich im Kopenhagener Büro zwei deutsche Tageszeitungen, doch kommt die eine stets einen Tag zu spät. Ein solches Hotel aber würde mir sicher die Wahl lassen zwischen den aktuellen Ausgaben von FAZ, FTD, Welt, Handelsblatt, SZ sowie einigen ausländischen und regionalen Blättern.

Eine Wahl, die bei mir meist dazu führt, sich in Flieger und Hotel etwas beschämt mindestens fünffach zu bedienen. Am liebsten würde ich in solchen Fällen immer allen Umstehenden, die sehen, wie ich so viele Zeitungen abgreife, entschuldigend und mit einem Lächeln zuflüstern "Ich bin Journalist".

Im Marriott war das gar nicht nötig. In der Auslage gab es den Tagesspiegel, USA Today und immerhin eine der überregionalen Qualitätszeitungen: Die Welt.

Mit der Welt war das Marriott schon einmal besser aufgestellt als vergangenes Jahr das im Grunde genommenen noch noblere Swissotel. Aber was heißt es, wenn ein solches Haus es nicht für ...[mehr]


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