| Einträge aus der Kategorie Medienkritik: |
| Donnerstag, 26. August 2010 - 23:52 Uhr |
| Endlich darf gemeckert werden |
| Abgelegt unter: Medienkritik von Anke Richter [E-Mail] |
Auf der linken Seite fahren? Das hat man als Tourist nach sieben Tagen raus. Nicht mehr meckern dürfen? Das habe ich als Einwanderin nach sieben Jahren noch nicht perfekt drauf. Aber ich arbeite daran. Es ist ein Kreuz mit der ewigen Nettigkeit. Ich schleppe es tapfer herum und beiße mir nur noch einmal täglich auf die Zunge. Die ist längst so vernarbt wie mein Rücken. Immigrantenwunden, die langsam heilen, zeugen von einem zähen Kampf: Unterdrück ihn, den Unmut! Bezwing sie, die Empörung! Nieder mit dem Nörgeldrang!
Schreib keine Leserbriefe. Lobe alles und jeden, oder schweig. Sag nicht „Der Fisch war trocken, es hat eine Stunde gedauert, und das bei den Preisen“, wenn die Kellnerin dich fragt, ob’s geschmeckt hat. Sondern nicke und lächle. Ich habe es gelernt – mittlerweile so gut, dass ich es kaum ertragen kann, mit frisch eingeflogenen Landsleuten in einem Restaurant zu sitzen, da sie nach jeder Bestellung das Wörtchen „please“ vergessen und sich darüber auslassen, wie kalt doch das Wetter/verregnet die Fjorde/schlecht gekleidet die Frauen sind.
Da sind wir Deutschneuseeländer – kurz Schneuseeländer – empfindlich. Immerhin haben wir uns im Griff, auch wenn es bei manchen von uns länger gedauert hat. Nie würde ich mehr auf die Idee kommen, nach einem Film einfach meine kritische Meinung kundzutun. Selbst wenn man mich fragt,...[mehr] |
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| Samstag, 14. August 2010 - 12:12 Uhr |
| Wo die Wahrheit nicht zu finden ist |
| Abgelegt unter: Medienkritik, Reporteralltag, Türkei von Susanne Güsten [E-Mail] |
Schon wieder verbrannte Erde dort, wo ich gerade noch stand. Die PKK jagte in dieser Woche die Erdöl-Pipeline zwischen Midyat und Idil in die Luft - genau an der Stelle, wo ich letztes Jahr mit einer Patrouille kurdischer Milizionäre unterwegs war. Die Jungs sind unverletzt, ich habe sie erreicht, aber drei andere Menschen hatten weniger Glück.
Das geht mir immer öfter so. Letzte Woche wurden in der Provinz Batman vier Menschen auf einer Straße in die Luft gesprengt, die ich schon öfter gefahren bin – eine Sprengfalle der PKK, in der es diesmal allerdings vier kurdische Aktivisten erwischte. Vorletztes Jahr ging eine Bombe vor dem Hotel hoch, in dem ich in Diyarbakir normalerweise absteige; die PKK ließ anschließend ausrichten, es sei ein Versehen gewesen, aber den sechs Toten und 67 Verletzten nützte das auch nichts mehr. Wiederum eineinhalb Jahre zuvor stand ich in einer heißen Augustnacht lange vor dem Eingang zum Kosuyolu Park in Diyarbakir, in dem ich mich mit einem untergetauchten kurdischen Deserteur getroffen ...[mehr] |
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| Samstag, 14. August 2010 - 03:27 Uhr |
| Elektromillionär kauft öffentliches TV |
| Abgelegt unter: Australien, Medien, Medienkritik, Politik, Zukunft von Julica Jungehülsing [E-Mail] |
Eine Woche vor der Wahl ist in Australien so gut wie alles politisch – außer den großen Parteien, die sich nachhaltig um ernsthafte Themen drücken und statt dessen viele Kindergärten besuchen. (Tony Abbott: “Dreijährige stellen keine schwierigen Fragen.”). Eigentlich kein Wunder, dass in so einer Situation ausgerechnet ein Fernseh-Fachhändler Heikles anfasst: Bevölkerung.

Dick Smith verkauft seit 40 Jahren Elektronik, der Mann ist so eine Art Mister-Media-Markt down under. In 433 Läden bringt er in Neuseeland und Australien alles unter die Leute was Kabel und Knopf hat. TVs, Telefone, Gameboys. Jetzt hat Smith genug verkauft, jetzt sorgt sich der Millionär um die Bevölkerung. “Bis vor sechs Monaten hatte ich noch nie über Bevölkerung nachgedacht.” Aber DS lernt ...[mehr] |
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| Samstag, 31. Juli 2010 - 03:20 Uhr |
| Allah macht hart |
| Abgelegt unter: Deutschland, Islam, Jugend, Kriminalität, Medien, Medienkritik, Minderheiten, Politik, Religion von Jürgen Stryjak [E-Mail] |
Das »journalistische Desaster«, wie Jörg Lau von der ZEIT es in einem Gastvortrag nannte, begann am 5. Juni und nahm in den Wochen danach seinen ungebremsten Lauf. Es ist einer jener Wahrnehmungsunfälle, die im Stimmengewirr unserer postmodernen Medienwelt inzwischen leider all zu oft die Normalität sind. Den Anfang macht eine kurze, zweiseitige Zusammenfassung einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN). Ihr widmen sich an jenem 5. Juni zuerst die Süddeutsche Zeitung und dann die Nachrichtenagenturen.
In der KFN-Studie geht es auch und unter anderem um den Zusammenhang zwischen der Religiosität junger Muslime in Deutschland und ihrer Bereitschaft zu Gewalt. Die zweiseitige Zusammenfassung behauptet: »Für junge Muslime geht … die zunehmende Bindung an ihre Religion mit einem Anstieg der Gewalt einher....[mehr] |
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| Donnerstag, 22. Juli 2010 - 06:28 Uhr |
| "the Stuff of real life" - Politiker oder Pürrierstäbe? |
| Abgelegt unter: Australien, Medien, Medienkritik, Politik von Julica Jungehülsing [E-Mail] |
Manch Kurioses passiert, glaube ich, so nur in Australien, im Land der Eier legenden Schnabeltiere. In Australien zum Beispiel steht auf Nicht-Wählen 100 Dollar Strafe, man hat aber nur 3 Tage nach Ankündigung einer Wahl, sich ins Wählerverzeichnis eintragen zu lassen. Zackzack. Noch schneller fliegen Premierminister raus, wie Kevin Rudd erlebte, als ihn Ende Juni seine Labor-Parteikollegen über Nacht entmachteten.

Seither ist seine Ex-Vize Julia Gillard (Foto links) am Ruder und die will nun, auch ruckzuck logisch, neu wählen lassen, und zwar am 21. August. Und damit leiten wir elegant zum Konflikt zwischen Küche und Kabinett über.
Denn vor der Wahl muss Gillard natürlich mit Gegner Tony-'Klimawandel-ist-Blödsinn'-Abbott im Fernsehen über die ein oder andere politische Priorität diskutieren. Dieser Top-2-Talk wird traditionell vom National Press Club ...[mehr] |
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| Donnerstag, 15. Juli 2010 - 03:44 Uhr |
| Von wegen Meinungsfreiheit |
| Abgelegt unter: England, Islam, Israel, Libanon, Medienkritik, Religion von Birgit Kaspar [E-Mail] |
Der Anfang Juli in Beirut verstorbene schiitische Großajatollah Mohammed Hussein Fadlallah hat uns über seinen Tod hinaus noch einige Lehren mit auf den Weg gegeben. Nicht zuletzt, dass es mit der Meinungsfreiheit auch im Westen nicht sehr weit her ist, wenn es um eine berühmte und umstrittene Figur wie Fadlallah geht. Zudem eine, welche die israelische, die amerikanische und die britische Regierung als „Erz-Terroristen“ gebrandmarkt haben.
Die amerikanisch-libanesische CNN-Nahost-Spezialistin Octavia Nasr hat ihr Tweet zu Fadlallahs Tod ihren Job gekostet. Die britische Botschafterin Francis Guy, die den Großajatollah in ihrem diplomatischen Blog aus Beirut würdigte, erhielt eine schroffe Rüge aus London. Ihr Blogeintrag wurde aus dem Netz verbannt.
Nun kann man den beiden ausgezeichneten Nahostkennern keine Naivität vorwerfen. Vielleicht hätte Nasr nicht gerade einen Tweet mit 140 Zeichen-Begrenzung wählen sollen, um ihren Gefühlen über den Tod einer so komplexen Person wie Fadlallah Ausdruck zu verleihen....[mehr] |
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| Sonntag, 13. Juni 2010 - 04:12 Uhr |
| Die Fußball-WM - Business as usual? |
| Abgelegt unter: Afrika, Ägypten, Deutschland, Luxus, Medien, Medienkritik, Sport, Südafrika, Wirtschaft von Jürgen Stryjak [E-Mail] |
Vor genau einem Jahr saß ich mit Kai Schächtele im La Siesta Resort am Roten Meer im Cafe »Cute«. Zusammen mit Dutzenden Ägyptern guckten wir das Confed-Cup-Fußballspiel Ägypten–Italien auf einem Großbildschirm. Ein denkwürdiger Abend. Es war das erste Mal seit Jahrzehnten, dass ich mir ein Fußballspiel anschaute, Kai zuliebe, ich wollte ein guter Gastgeber sein. Die Stimmung war hervorragend, Ägypten gewann 1:0.
Jetzt beschäftigt mich Fußball wieder, und wieder ist Kai schuld. Gemeinsam mit Christian Frey präsentiert er täglich Reportagen ...[mehr] |
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| Montag, 24. Mai 2010 - 09:30 Uhr |
| Bleib im Hotel, stell keine Fragen, verbreite Panik |
| Abgelegt unter: Medienkritik von Anke Richter [E-Mail] |

Es ist das Schicksal der Südsee, dass sie außerhalb Ozeaniens nur als putziges Postkartenklischee stattfindet. Ist Berlusconis Italien „ein Traum“ oder gar „Paradies“, nur weil es dort Strände gibt? Sieht man in Belgien nichts als Kinderschänder und in Holland überall Gouda? Wenn ja, dann sollte man vielleicht nicht über Italien, Belgien oder Holland berichten. Auch wenn man Dozentin für Journalistik ist, so wie Dr. Pia Heinemann. Aber leider darf sie dort, wo sie sich am wenigsten auskennt, verbale Panik verbreiten. Armes Fidschi.
Was immer die Redakteurin der WELT nach Melanesien geführt hat, bleibt ein Rätsel. Umso schlimmer liest sich der Skandal. Druckerpresse anhalten: Fidschi ist kein Robinson Club. Heinemann bemerkte auf ihrer Stippvisite mit scharfem Reporterblick, dass die Schiffe im Hafen rosten. Unerhört! Dunkelhäutige Menschen starrten sie auf der Straße an. Beängstigend! Fazit: „Die Insel ist ein Traum. Ein Wimpernschlag, und sie wird zur Hölle.“ Die Hölle liest sich so: „Kein Vogel ruft, kein Frosch quakt“, aber „ein Raubvogel hustet wie ein Hund“....[mehr] |
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| Sonntag, 25. April 2010 - 23:13 Uhr |
| Knatsch, Kommerz und Königskinder |
| Abgelegt unter: Medien, Medienkritik, Monarchie , Schweden, Sex von Alexander Budde [E-Mail] |
Wenige Wochen vor der Traumhochzeit der schwedischen Kronprinzessin Victoria mit ihrem Fitnesstrainer Daniel Westling am 19. Juni wird das Königshaus von bösen Schlagzeilen erschüttert: Prinzessin Madeleine hat ihre Verlobung mit dem Anwalt Jonas Bergström aufgelöst. Die beiden hätten sich nach reiflicher Überlegung entschieden, künftig getrennte Wege zu gehen, teilte das Königshaus in dürren Worten auf seiner Webseite mit. Und sprach zugleich einen Tadel für die Medienzunft aus: Die „extreme Berichterstattung“ der letzten Tage sei alles andere als hilfreich gewesen.
Gerüchte von Untreue wucherten in den schwedischen Redaktionen seit geraumer Weile. Doch erst als im norwegischen Boulevardblatt Se og Hør eine junge Norwegerin ihre angebliche Affäre mit dem schneidigen Anwalt hinausposaunte, war auch in Schweden kein Halten mehr. Erst spekulierte das royale ...[mehr] |
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| Freitag, 29. Januar 2010 - 00:14 Uhr |
| Wegelagerer im Internet |
| Abgelegt unter: Ägypten, Internet, Medien, Medienkritik, Wirtschaft von Jürgen Stryjak [E-Mail] |
Wenn ich durchs Internet surfe, höre ich Stimmen. Überall wird es mir zugeraunt und zugeflüstert: 'Sign up! Register now! Wir sind an Ihrer Meinung interessiert! Hallo, melden Sie sich bitte an! Neu hier?'
Manchmal will ich unbedingt auf eine Webseite. Ein einziges Mal nur, um dort jetzt, aber danach nie wieder irgendetwas zu erfahren oder zu tun. Dann registriere ich mich schnell und fülle die Lochmasken mit lauter Quatsch aus. Ich denke mir Namen aus, ein fiktives Geburtsdatum, eine Postleitzahl, die mit meiner echten keine Ähnlichkeit hat, und wenn nötig, auch irgendwelche Phantasieinteressen. Meistens bin ich in den Achtzigern geboren – wer möchte nicht gern jünger sein. Mein Nettohaushaltseinkommen ist natürlich immer so hoch, wie ich es mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorzustellen wage. Es kam sogar schon vor, dass ich mir rasch ein GMX-eMail-Konto einrichtete, nur für diese eine Stunde. Um sicher zu gehen, dass ich später nicht etwa ungewollt Werbung erhalte.
Damit bin ich wahrscheinlich der Supergau aller Online-Marketingexperten. Also für jene Leute, die zu ihren Werbekunden gehen und behaupten, sie könnten so zielsicher wie nie zuvor genau die potentiellen Kunden erreichen, für die ihr Produkt entwickelt wurde.
Sagen wir mal, ich melde mich durchschnittlich zweimal pro Jahr irgendwo an, um hier oder da reinzukommen. Dann konnten in den letzten zehn Jahren ...[mehr] |
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