| Einträge von Danja Antonovic: |
| Mittwoch, 02. Juni 2010 - 11:18 Uhr |
| DER NACHSCHLAG ZUM KAHLSCHLAG |
| Abgelegt unter: Balkan, Serbien, Umwelt von Danja Antonovic [E-Mail] |

Die Logik der Belgrader Stadtväter bleibt weiter unverständlich: Sie holzen zuerst fast 500 alte Bäume ab. Trotz Proteste wüten die Kettensägen, der Polizeischutz schützt nicht die Bäume, sondern die Arbeiter. Das ganze Vorhaben wird mit einem Gutachten begründet: Die Wurzeln der Bäume seien zu breit, die Kronen zu dicht. Kurz um, die Platane sind für Mensch und Tier gefährlich. Also, ab mit denen.
Nur zwei Monate später, vermeldet die Stadtverwaltung stolz: Belgrader, ihr bekommt eure Platanen wieder! Das Gutachten lautet diesmal: Die Platane sind gut geeignet für Mensch und Tier, ihre Wurzelballen werden gebändigt, der Wuchs der Kronen kontrolliert.
Glücklicher Belgrader! In etwa 60 – 70 Jahren werden sie wieder im Schatten der großen Bäume sitzen können.

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| Samstag, 01. Mai 2010 - 15:44 Uhr |
| EIN FOTO UND KAUM TEXT |
| Abgelegt unter: Alltag, Balkan, Serbien von Danja Antonovic [E-Mail] |

Ihre Retter nennen sie MILA, die Liebevolle. Mila ist ein Straßenhund. 4500 gibt es in der Zwemillionenstadt Belgrad.
Jeden Tag saß sie vor einem Supermarkt, wedelte mit dem Schwanz, spielte mit den Kindern. Die Nachbarn haben sie gefüttert. Dann verschwand sie. Gefunden wurde sie neben einem Müllcontainer. Der unbekannte Täter hat Mila alle vier Pfoten bei lebendigem Leibe abgeschnitten. Sie überlebte und liegt jetzt in einer Tierarztpraxis. Wenn keine Komplikationen auftreten, soll sie in einer deutschen Tierklinik Prothesen bekommen. Nach dem Täter wird noch immer gesucht.
Selten hat ein Foto die Nation so berührt wie dieses. Erstmals demonstrierten Tierschützer direkt vor dem Parlament und forderten sofortige Änderung der laschen Tierschutzgesetze. Wer ein Tier mit Benzin übergießt und verbrennt, erhält eine Minimalstraße. Die Täter werden selten gemeldet und gefunden.
Über Mila wird nun täglich berichtet, die Öffentlichkeit ist empört. Das Magazin VREME zitiert eine amerikanische Studie, die besagt, dass in den US-Familien, in denen Misshandlungen an der Tagesordnung sind, auch 88% der Haustiere getötet werden. Eine solche Studie hat Serbien nicht. Nur ein paar spärliche Daten: im letzten Jahr ...[mehr] |
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| Montag, 05. April 2010 - 12:13 Uhr |
| BLOGGEN ODER NICHT BLOGGEN? |
| Abgelegt unter: Alltag, Balkan, Europa, Reise, Serbien von Danja Antonovic [E-Mail] |
Es geschieht schnell. Ich meine, das mit dem Blogschreiben. Oder mit dem Nicht-Schreiben des Blogs. Den ganzen Monat tickt es im Hinterkopf „Am 1. des Monats bist du dran“ und „mach was Witziges“ und „Achtung! Bald ist es so weit“. Und dann ist, oh Wunder, wieder das Ende des Monats da und die ultimative Meldung im Hirn heißt: „Scheiße, du hast es vergessen“. Dann bricht Panik aus, die Finger fliegen auf der Tastatur und es ist gerade noch geschafft. Und warum das menschliche Wesen (in diesem Falle ich) alles in letzter Sekunde erledigen muss, das wird mir in diesem Leben ein Rätsel bleiben.
In diesem Monat haben alle Warnsysteme versagt. Blogschreiben? Schlicht vergessen. Und wenn nicht Ruth aus Tel Aviv per E-Mail gemahnt hätte („Wo bleiben die Blogschreiber?“) hätte ich weiterhin sorglos die Ostertage mit meinen Freunden verlebt. Die aus allen Himmelsrichtungen nach Belgrad eingeschwebt sind.

Da war zuerst Bora Sajtinac aus Paris. Der geniale Zeichner, der jahrelang für DIE ZEIT und den STERN die deutsche Gegenwart beobachtet hat, bekam in Belgrad den Preis für sein Lebenswerk. Als wir über gestern und heute in einem Stadtcafé redeten, knipste ein Pressefotograf Boras verkehrte ...[mehr] |
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| Dienstag, 02. März 2010 - 00:12 Uhr |
| DER KAHLSCHLAG VON BELGRAD |
| Abgelegt unter: Alltag, Balkan, Europa, Serbien, Umwelt, Zukunft von Danja Antonovic [E-Mail] |
Belgrader längste Straße ist sieben Kilometer lang und heißt Boulevard des König Alexander. Seit 90 Jahren ist der Boulevard die schönste Allee der Stadt. So lange säumten 500 dicke, schattenspendende Platanen die breite Straße. Bis gestern.




Die Stadtverwaltung, die jahrelang die Kronen der Bäume gekappt hat, („zu hoch, zu gewaltig“) hat im Zuge der Umgestaltung des Boulevards beschlossen die Platanen abzuholzen. Weil sie krank seien – so die Erklärung. Die Ursache: die vorherige, unsachgemässe Beschneidung der Kronen.

Die ...[mehr] |
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| Montag, 01. Februar 2010 - 18:34 Uhr |
| GOOGLE GRÜßT, NUR DAS GELD, DAS GIBT ES NUR EINMAL |
| Abgelegt unter: Balkan, Religion, Reporteralltag, Serbien von Danja Antonovic [E-Mail] |
Freude auf allen Ebenen: Die Hirnwindungen arbeiten auf vollen Touren, die Gedanken prasseln in die Tasten, die Texte schreibe ich so lange um, bis die Endfassung stimmt, dann – geschafft. Noch up and away per Mail – und das in Hamburg schlummernde Bankkonto freut sich auch.
Eine volle Woche bin ich mit der Wahl des neuen Patriarchen der Serbisch-Orthodoxen Kirche beschäftigt. Ich liefere einen Vorbericht, in dem es um Querelen unter den Bischöfen geht, eine erweiterte Nachricht, dass doch, wie vorgesehen, die Wahl an diesem bestimmten Freitag stattfindet und nicht verschoben wird, gebe weiter die Mutmaßungen über die möglichen Kandidaten. Berichte schließlich über die Wahl selbst und über die Inthronisierung des neuen Patriarchen. Ein Portrait des Erwählten und Neugewählten gehört dazu.

All das könnte zur normalen journalistischen Arbeit gehören, wenn die serbische Kirche nicht so geheimnisvoll täte. Keine Nachricht dringt aus der Patrijaršija, dem Kirchenhauptsitz, nach außen. Es scheint, als ob die hohen Kirchenherren eher das Zwiegespräch mit Gott bevorzugen, als dem Volk Auskunft über ihr Tun zu gewähren. Zwar hat die Kirche eine Website, jedoch steht auf dieser Website ...[mehr] |
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| Freitag, 01. Januar 2010 - 22:34 Uhr |
| MMX: HAPPY, HEALTHY & GLORIOUS |
| von Danja Antonovic [E-Mail] |

Die verpflichtende Verschickung möglicher Grußkarten am Ende eines Jahres hält sich bei mir in Grenzen, vor allem wenn ich bedenke, dass ich einer doppelten Belastung unterliege. Denn da wären nicht nur die üblichen Weihnachts –und Neujahrsgrüße, nein, wie am Schnürchen folgen gleich danach die orthodoxe Weihnacht und das orthodoxe Neujahr. So weiß ich, im Prinzip, womit ich in der Zeit vom 24. Dezember bis zum 14. Januar beschäftigt bin. Nun aber, die Prinzipien sind so eine Sache, ihre Ausführung eine andere.
Das Weihnachtsfest habe ich schon verschlafen, das neue Jahr gerade noch geschafft. Mal sehen, wie ich es mit den Serben hinkriege. Eigentlich dürfte ich mich nicht beschweren, denn heute ist ja alles viel leichter. Kein handschriftlicher Gruß, keine Spucke auf Briefmarke und Couvert. Doch auch das Internet raubt mir Zeit und erst heute, am 1. Januar werde ich alle meine deutschen Freunde mit einem Neujahrsgruß beglücken. Hoffentlich nicht zu spät. Die Serben sind in einer Woche dran, bis dahin sind meine Kräfte wieder gewachsen.
PS.
Oh, Gott, das auch noch: Gerade habe ich hier in Belgrad ein paar nette Chinesen kennengelernt. Es ging um das chinesische Neujahr. Tja, dann ist die diesjährige Qual ...[mehr] |
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| Dienstag, 01. Dezember 2009 - 11:08 Uhr |
| DER SCHRANK, DER RETTER |
| Abgelegt unter: Alltag, Balkan, Medien, Reporteralltag, Serbien, wohnen von Danja Antonovic [E-Mail] |
Der Hörfunkarbeiterin fern der Heimat fällt es besonders schwer einen guten Ton zu zaubern, der die Arbeitgeber überzeugt. Denn das, was in Deutschland „über den Sender geht“, entsteht in Hausarbeit.

Die üppigen, gut gepolsterten, muckmäuschenstillen Studios des NDR und WDR, in denen die Radiotöne entstehen, gehören längst der Vergangenheit. Auch die Butzen von Radio Belgrad, die man hier Studio nennt, sind nicht mehr aktuell. Denn: kein Schwein geht mehr ins Studio.
Der Radiomensch, vor allem wenn er in der Auslandspampa sitzt, macht heutzutage alles selbst. Der erste Schritt des entstehenden Radiobeitrags beginnt wie eh und je: die Person, die etwas zu sagen hat, wird interviewt. Doch ab hier ist alles anders, als es einmal war: kein Tontechniker steht bereit, der Toningenieur auch nicht. Und von einem Studio kann man nur noch in den stillen Nächten träumen. Der Reporter macht sich an die Arbeit, speichert das Gespräch im Computer ab, wählt aus den Tönen aus, was in die Reportage eingebaut wird, schnippelt das Ganze mit einem entsprechenden Schnittprogramm ab, schreibt den dazugehörigen Text, druckt ihn aus.
Der Text soll nun gesprochen werden, möglichst, eben, in Studioqualität der Heimatsender....[mehr] |
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| Sonntag, 01. November 2009 - 01:36 Uhr |
| EINE KATZE IST EINE KATZE IST EINE KATZE IST EINE KATZE |
| Abgelegt unter: Alltag, Balkan, Deutschland, Reise, Serbien von Danja Antonovic [E-Mail] |

Nicht aber, wenn sie auf Reisen geht. Plötzlich schlagen die vereinigten Bürokraten aller Länder zu, sie existiert in Akten und Computern nur noch als „Haustier, hier Katze“. Falls sie die Mauern der Europäischen Union übersprungen hat, unterliegt sie ab sofort den „Einreisebestimmungen für Hunde und Katzen“. Falls sie aus der EU ins andere Ausland will, wird sie dort womöglich als „Ausländerin“ behandelt.
Trotzdem entscheide ich: Puderquaste und Maseltov sollen Hamburg verlassen und mit mir in Belgrad leben. Der Katzenumzug steht an.

Recherche in Belgrad: eineTollwut-Impfung, ein Katzenpass, eine ärztliche Beurteilung vor der Reise – da ist alles was eine Katze braucht, wenn sie nach Belgrad kommen will.
Der Veterinär in Hamburg kooperiert: „Impfen können ...[mehr] |
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| Donnerstag, 01. Oktober 2009 - 01:09 Uhr |
| SCHNURLOS UND STROMLOS IN BELGRAD |
| Abgelegt unter: Alltag, Balkan, Serbien von Danja Antonovic [E-Mail] |
„Bring mal das grüne Telefon mit“, sagte Mutter, „diese hier rauschen nur, man hört nichts“. Die Mutter, die in Belgrad lebte, war zu Besuch in Hamburg, wo ich lebte. Auf dem Speicher hat sie das längst vergessene Kommunikationsgerät entdeckt. Das Objekt ihrer Begierde war eines dieser pummeligen grünen Geräte,erkennbar an einer Wählscheibe, einem Hörer und einem schwarzen, rundgewickelten Kabel. Es war das Einheitsmodell der Deutschen Bundespost, die im letzten Jahrhundert das Monopol am Verkauf jeglicher Telefone hatte.
Ich telefonierte schon längst schnurlos, das grüne Exemplar gammelte auf dem staubigen Speicher, als Mutter es entdeckte. Das Angebot ihr ein schnurloses Telefon zu schenken, schlug Mutter entschieden ab. Sie wollte nur dieses Telefon und kein anderes. Erstens wusste sie wo welche Ziffer sich befand – sie konnte nicht mehr gut sehen – und außerdem könne sie in Belgrad immer mit diesem Gerät telefonieren, sagte sie. Erst später sollte ich erfahren, warum man mit diesem Telefon „immer“ telefonieren konnte.
Lange ist es her, dass Mutter ihr grünes Telefon bekam.
Nun lebe ich in Belgrad, hege und pflege das Grab meiner Mutter, so oft ich kann und habe in der Belgrader Wohnung drei Telefone. Zwei mal schnurlos und einmal grün und pummelig. Nicht, dass ...[mehr] |
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| Sonntag, 12. April 2009 - 08:30 Uhr |
| Morgens auf dem Planeten Erde (11): Belgrad |
| Abgelegt unter: Balkan, Blog Special , Reporteralltag, REPORTERWELT, Serbien von Danja Antonovic [E-Mail] |
Warm ist es in Belgrad geworden, ganz plötzlich. „Aus den Stiefeln direkt in die Badehose“, meckert gestern Mira, die Nachbarin. Klar, bei 27 Grad Lufttemperatur könnte man schwimmen gehen, wenn das Baden an der Save und Donau nicht verboten wäre. Das Wasser, 19 Grad, sei noch zu kalt – sagen die Stadtväter. Die kennen die Ostsee nicht, denke ich.
Nachts kommt der warme Wind durchs offene Fenster, am Kopfkissen breitet sich die dicke Mondscheibe aus. Heute früh schleicht sich die Sonne unter meine Wimpern. Vorsichtig ein Auge nach dem anderen aufmachen, feststellen, alles ist genauso wie gestern, endgültig räkeln, aufwachen. Morgenrituale: Puschen an, runter auf die Straße, im Kiosk nebenan Zeitung kaufen, Zigaretten kaufen, die Weltkrise im Mikrokosmos Serbien („alles wird teurer“) mit den Mädels vom Kiosk bereden. Türkischen Kaffee kochen, Balkonblumen grüßen und wässern, Katzen grüßen und füttern, mich selbst wässern und seifen, Radio einschalten, Blechkiste einklicken. Kurz gucken was WELTREPORTER so in der Welt machen. Man weiß nie ob sie noch ruhig schlafen oder hundert Mails pro Stunde in die Welt schicken... ...[mehr] |
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REPORTERWELT
... ist das Blog des Korrespondentennetzes
WELTREPORTER.NET. Gemeinsam arbeiten wir an der
Verkleinerung der Welt [mehr].
Danja Antonovic
Danja Antonovic lernte Sprachen in Mailand, London und Paris und studierte in Frankfurt Philosophie. In Wien volontierte sie bei CBC - Canadian Broadcasting Corporation – Auslandsbüro Südosteuropa, in München absolvierte sie ...[mehr]
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