| Einträge von Christine Wollowski: |
| Montag, 08. März 2010 - 00:43 Uhr |
| Ich bin Brasilianerin, ich gebe nie auf |
| von Christine Wollowski [E-Mail] |
Am Sonntag kosten die Bustickets hier im Großraum Recife nur den halben Preis, deswegen ist Sonntag Volkswandertag. Die meisten fahren an den Strand, manche vergnügen sich auch in vollklimatisierten Shopping Malls. Es gibt noch eine dritte Gruppe, die jeden Sonntag unterwegs ist. Sie besteht vor allem aus Frauen. Mütter, Schwestern, Ehefrauen, die mit großen Picknicktaschen schon in aller Frühe aufbrechen: Sonntag ist Besuchstag in Pernambucos Gefängnissen.

Letztens bin ich mit gefahren. Weil mir eine Freundin so viele Geschichten erzählt hat. Von den Vier-Mann-Zellen, die mit 20 belegt sind, und den anderen, die auf den Fluren nächtigen müssen. Von den „Capos“, die Einzelzellen vermieten und anderen, die an Besuchstagen im Hof aus Bettlaken Zelte improvisieren, die ebenfalls vermietet werden. Wie einmal ein spielendes Kind ein solches Laken runtergezupft hat und dahinter ein splitterfasernacktes Paar gerade voll bei der Sache war – illegal, denn Intimbesuche sind nur mittwochs gestattet. Wie am Eingang die Besucherinnen sogar das Höschen runter lassen müssen, damit sie ja keine Drogen einschmuggeln, drinnen aber Crack-Steine offen über die Tische verschoben werden. Und dass auch nicht-verwandte Frauen besuchen dürfen.
Also bin ...[mehr] |
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| Montag, 08. Februar 2010 - 07:10 Uhr |
| Ein wenig kollegiale Hilfe für die Medien-Realität |
| von Christine Wollowski [E-Mail] |

Realität ist ein relativer Begriff. Jeder sieht eine andere. Und Medien machen sich ihre, so wie sie ihnen gefällt. Letztens wollte ich für eine Frauenzeitschrift eine Managerin porträtieren, die ihre Kollegen dazu anstiftet, sich gelegentlich nicht finanziell, sondern höchstpersönlich in Sozialprojekten zu engagieren. Und das in einem mittelamerikanischen Land, in dem gutverdienende Europäer üblicherweise in sicherheitsabgeriegelten Ghettos leben. Tolles Thema, fand die Redaktion. Man müsse allerdings ein professionelles Foto zum Text produzieren, ob die Dame dazu bereit sei und ich vorab bereits ein Passbild besorgen könne? Die Dame war bereit und mailte mir auch ein Passbild: eine sympathisch wirkende Vierzigerin, natürlich, ungeschminkt, nicht hässlich. Prompte Reaktion der Redakteurin: Ja, aus dieser Sache würde nun ganz bestimmt nichts, denn das ginge mit die Dame ja optisch überhaupt nicht. Das möge jetzt vielleicht hart klingen, aber so sei nun mal die Realität.
Vor ein paar Wochen bekam ich eine Mail von einem TV-Redakteur, der mich freundlich und sehr höflich um kollegiale Hilfe bat. Er suche eine brasilianische Gastfamilie für deutsche Kids, um eine Serie mit dem Titel „Die strengsten Eltern ...[mehr] |
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| Freitag, 08. Januar 2010 - 07:48 Uhr |
| Mit kleinen Tricks zum glücklichen Jahr |
| Abgelegt unter: Alltag, Zukunft von Christine Wollowski [E-Mail] |
Ich habe genau eine weiße Jeans. Gäbe es kein Silvester, hätte ich nicht mal die, denn sie ist normalerweise schon dreckig, bevor ich das Haus verlassen habe. Aber es gibt eben Silvester. Hier wünscht zwar auch jeder jedem ein „Feliz ano novo“ – aber im Grunde ist das Heuchelei, weil jeder weiß, dass er für das Gelingen des neuen Jahres selbst verantwortlich ist: Er muss einfach in der Silvesternacht alles richtig machen. Angefangen mit der Kleidung.
Im ersten Jahr hier habe ich das nicht gewusst, und damit ging ein denkwürdiger Abend los. Weil mein damaliger Freund ein schweigsamer Typ war, rückte er mit der entsprechenden Info erst am 31. heraus. Nachdem er selbst sich in seine weiße Jeans und ein ebensolches Hemd gewandet hatte – die er beide sonst nie trug – und ich ihn fragte, ob das etwas zu bedeuten habe. Leider war es da zu spät, noch ein kleines Weißes für mich einzukaufen. „Schwarz geht auch“, sagte der Mann. Dass das eine Trost-Lüge war, merkte ich wenig später auf der Straße, auf dem Weg zu Bekannten. Niemand trug Schwarz. Niemand trug irgendwelche dunklen Farben. Nur ich. Bei den Bekannten handelte es sich um ein trinkfreudiges Pärchen um die 45 mit zwei Kindern im Teenie-Alter. Sie wohnten in einem Haus in Klotzform mit Gittern vor den großen Terrassen und Balkonen. Die Dame des Hauses bat uns an einen niedrigen ...[mehr] |
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... ist das Blog des Korrespondentennetzes
WELTREPORTER.NET. Gemeinsam arbeiten wir an der
Verkleinerung der Welt [mehr].
Christine Wollowski
Eigentlich wollte Christine Wollowski nur ein Jahr in Brasilien bleiben, als sie im April 2000 nach Recife im Nordosten des Landes ging. Inzwischen sind neun daraus geworden. In dem Land, das so groß ist wie ein Kontinent, herrscht ...[mehr]
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