Montag, 08. Februar 2010 - 07:10 Uhr
Ein wenig kollegiale Hilfe für die Medien-Realität
  von Christine Wollowski [E-Mail]

 

Realität ist ein relativer Begriff. Jeder sieht eine andere. Und Medien machen sich ihre, so wie sie ihnen gefällt. Letztens wollte ich für eine Frauenzeitschrift eine Managerin porträtieren, die ihre Kollegen dazu anstiftet, sich gelegentlich nicht finanziell, sondern höchstpersönlich in Sozialprojekten zu engagieren. Und das in einem mittelamerikanischen Land, in dem gutverdienende Europäer üblicherweise in sicherheitsabgeriegelten Ghettos leben. Tolles Thema, fand die Redaktion. Man müsse allerdings ein professionelles Foto zum Text produzieren, ob die Dame dazu bereit sei und ich vorab bereits ein Passbild besorgen könne? Die Dame war bereit und mailte mir auch ein Passbild: eine sympathisch wirkende Vierzigerin, natürlich, ungeschminkt, nicht hässlich. Prompte Reaktion der Redakteurin: Ja, aus dieser Sache würde nun ganz bestimmt nichts, denn das ginge mit die Dame ja optisch überhaupt nicht. Das möge jetzt vielleicht hart klingen, aber so sei nun mal die Realität.

 

Vor ein paar Wochen bekam ich eine Mail von einem TV-Redakteur, der mich freundlich und sehr höflich um kollegiale Hilfe bat. Er suche eine brasilianische Gastfamilie für deutsche Kids, um eine Serie mit dem Titel „Die strengsten Eltern ...[mehr]


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Montag, 08. Februar 2010 - 02:51 Uhr
\\\"Nehmt ihn fest und erschiesst ihn!\\\" - wenig Sympathie für Roman Polanski in den USA
Abgelegt unter: Deutschland, Film, Frauen, Kultur, Medien, USA  von Kerstin Zilm  [E-Mail]

 

Auf der Berlinale wird Roman Polanskis neuster Film \'The Ghost\' am Dienstag Weltpremiere feiern. Hollywoodstars und Filmschaffende aus aller Welt haben sich für die Freisprechung des Regisseurs ausgesprochen und dafür, die Diskussion um eine Tat, die 32 Jahre zurück liegt, zu beenden.

In den USA geht die Stimmung im \\\'Fall Polanski\\\' in die entgegengesetzte Richtung. Besonders seit Ausschnitte aus den Gerichtsprotokollen von 1978 veröffentlicht wurden. 

Die Los Angeles Times beispielsweise berichtete basierend auf den Protokollen detailliert über die Begegnung des 43 jährigen Regisseurs mit dem 13 jährigen Mädchen im Whirlpool von Jack Nicholson. Davon, wie Polanski ihr Drogen gab, wie das Mädchen mehrfach \'nein\' sagte zu Aufforderungen, sich auszuziehen, \'nein\' sagte zu verschiedensten Formen von Sex und der Regisseur doch bekam, was er sich wünschte.

Diese Informationen brachten nicht nur den links-gerichteten Talkshow Moderator Bill Maher in Rage. Maher erklärte ...[mehr]


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Samstag, 06. Februar 2010 - 14:04 Uhr
Kritische Kernspaltung
Abgelegt unter: Nordeuropa, Schweden, Umwelt  von Alexander Budde [E-Mail]

Vor ziemlich genau einem Jahr machte ich mich zu einer Reise durch das lange Schweden auf. Ich wollte der jüngsten Wendung im Dauerstreit um die Atomkraft nachspüren. Die bürgerliche Regierung in Stockholm hatte gerade den Ausstieg aus dem Ausstieg beschlossen. Die alten Meiler sollten länger laufen dürfen, bei Bedarf sogar neue entstehen.  Aus seinem Bürofenster im stillgelegten AKW Barsebäck  betrachtete Leif Öst  ein Spalier von Windmühlen im Sund vor Kopenhagen. Der scheidende Kraftwerkschef führte damals das Kommando über 200 Arbeiter und Ingenieure in einer absurd anmutenden Zwischenwelt – während sich die einen noch Gedanken über die Abwicklung machten, planten die Kollegen nebenan schon die Reaktoren von morgen.   

Wie all ihren Besuchern, versicherte mir Jenny Rees von der Atomfirma SKB, das Problem mit der Endlagerung sei gelöst. Rund 10 000 Atomtouristen schleusen Jenny und ihre Kollegen alljährlich ...[mehr]


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Freitag, 05. Februar 2010 - 08:00 Uhr
Feiern am Rande der Erde
Abgelegt unter: Kultur, Minderheiten, Musik, Nordeuropa, Norwegen  von Clemens Bomsdorf [E-Mail]

Die norwegische Kleinstadt Kirkenes liegt am äußersten nordöstlichen Rande des norwegischen Festlandes - von Oslo in etwa so viele Kilometer entfernt, wie Oslo auch von Rom entfernt ist. Seit einigen Jahren findet hier jährlich das Barentsspekatekel statt, ein Festival mit Theater, Musik, Kunst und Literatur. Vor allem die Beziehungen zum (oder besser: zu den) russischen Nachbarn - die Grenze ist 40 Kilometer entfernt - soll(en) durch das Festival auf dem nicht-politischen Wege verbessert werden. Scharenweise wurden russische Journalisten nack Kirkenes geladen, ebenso Künstler. Der hohe Norden (Highnorth oder Nordomradene) ist für Norwegen eine der wichtigsten Gegenden, schießlich gibt es hier einen Grenzkonflikt mit Russland (die Ziehung der Wassergrenze ist seit Jahrzehnten ungeklärt), in der Barentssee (dem russischen und norwegeischen Teil) werden umfangreiche Rohstoffvorkommen vermutet und der Klimawandel eröffnet die Nordostpassage, die an Kirkenes vorbeiführt. Die Stadt dürfte also Zukunft haben. Kulturell erlebt sie dieser Tage Anfang Februar einen kleinen Boom - am Eröffnungsabend bewiesen Musiker der nördlichen Naturvölker in Schweden, Finnland, Russland, Norwegen und Amerika, dass sie Musik machen können, die mit dem Klischee der Folklore nichts am ...[mehr]


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Montag, 01. Februar 2010 - 18:34 Uhr
GOOGLE GRÜßT, NUR DAS GELD, DAS GIBT ES NUR EINMAL
Abgelegt unter: Balkan, Religion, Reporteralltag, Serbien  von Danja Antonovic [E-Mail]

 

Freude auf allen Ebenen: Die Hirnwindungen arbeiten auf vollen Touren, die Gedanken prasseln in die Tasten, die Texte schreibe ich so lange um, bis die Endfassung stimmt, dann – geschafft. Noch up and away per Mail – und das in Hamburg schlummernde Bankkonto freut sich auch.

Eine volle Woche bin ich mit der Wahl des neuen Patriarchen der Serbisch-Orthodoxen Kirche beschäftigt. Ich liefere einen Vorbericht, in dem es um Querelen unter den Bischöfen geht, eine erweiterte Nachricht, dass doch, wie vorgesehen, die Wahl an diesem bestimmten Freitag stattfindet und nicht verschoben wird, gebe weiter die Mutmaßungen über die möglichen Kandidaten. Berichte schließlich über die Wahl selbst und über die Inthronisierung des neuen Patriarchen. Ein Portrait des Erwählten und Neugewählten gehört dazu.

All das könnte zur normalen journalistischen Arbeit gehören, wenn die serbische Kirche nicht so geheimnisvoll täte. Keine Nachricht dringt aus der Patrijaršija, dem Kirchenhauptsitz, nach außen. Es scheint, als ob die hohen Kirchenherren eher das Zwiegespräch mit Gott bevorzugen, als dem Volk Auskunft über ihr Tun zu gewähren. Zwar hat die Kirche eine Website, jedoch steht auf dieser Website ...[mehr]


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Sonntag, 31. Januar 2010 - 15:56 Uhr
Adrià macht Pause
Abgelegt unter: Alltag, Kultur, Luxus, Spanien  von Merten Worthmann [E-Mail]

Vor ein paar Tagen hat Kataloniens Weltstar Nr. 1, der Koch Ferran Adrià (keinen Einspruch bitte!), eine zweijährige Auszeit angekündigt. 2012 und 2013 macht er Pause vom El Bulli, das noch immer – und schon seit Jahren – als bestes Restaurant der Welt gilt. Dpa begann die entsprechende Meldung mit dem Satz „Für Gourmets aus aller Welt ist es ein Schock“.

Da musste ich an mein erstes Gespräch mit Adrià vom Herbst 2005 zurückdenken, für die Zeit-Serie „Ich habe einen Traum“. Damals sagte Adrià, kaum war die Frage nach seinem Traum ...[mehr]

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Freitag, 29. Januar 2010 - 15:00 Uhr
Putins Hündin und der deutsche Rückmarsch von der Wolga
  von Stefan Scholl [E-Mail]

Das Handy klingelt, Roman ruft an, Chefredakteur einer Moskauer Frauenzeitschrift. „Hör mal“, sage ich zu ihm, „Ihr solltet diesen langweiligen Kater zumindest jedes zweite Woche durch den Hund ersetzen.“

„Ja“, antwortet Roman, „der Hund ist witziger gewesen.“ Es geht um Dmitrij Medwedews Kater Dorofej und Wladimir Putins Hündin Conny. Früher kommentierte Conny, die Hündin, als „Kremlexperte“ in Romans Zeitschrift das Treiben ihres Herrn. Als ihn dann Medwedew als Kremlchef beerbte, übernahm dessen Kater die Rolle des Hofberichterstatters. Aber Putin klopfte bessere Sprüche als Medwedew, seine Hündin auch, außerdem war  Conny fast immer mit dabei, angehimmelt von Russlands Medien. „Keine Angst“, ich höre den Putin-Fan Roman förmlich grinsen, „Conny ist bald zurück im Kreml.“

„Laut Verfassung herrscht noch 2 Jahre Langeweile, bis dein Putin wieder Präsident werden kann“, sage ich.

„Was kümmert uns die Verfassung? Ihr habt ja auch den verfassungsmäßigen Präsidenten des Iraks umgebracht.“ Roman ist als glühender Patriot pauschal antiwestlich. Und Fachgespräche mit ihm rutschen sehr oft ins politisch Unkorrekte.

„Hitler haben die Deutschen auch mal verfassungsmäßig gewählt“, polemisiere ich.

„Was die Deutschen ...[mehr]


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Freitag, 29. Januar 2010 - 00:14 Uhr
Wegelagerer im Internet
Abgelegt unter: Ägypten, Internet, Medien, Medienkritik, Wirtschaft  von Jürgen Stryjak [E-Mail]

Wenn ich durchs Internet surfe, höre ich Stimmen. Überall wird es mir zugeraunt und zugeflüstert: 'Sign up! Register now! Wir sind an Ihrer Meinung interessiert! Hallo, melden Sie sich bitte an! Neu hier?'

Manchmal will ich unbedingt auf eine Webseite. Ein einziges Mal nur, um dort jetzt, aber danach nie wieder irgendetwas zu erfahren oder zu tun. Dann registriere ich mich schnell und fülle die Lochmasken mit lauter Quatsch aus. Ich denke mir Namen aus, ein fiktives Geburtsdatum, eine Postleitzahl, die mit meiner echten keine Ähnlichkeit hat, und wenn nötig, auch irgendwelche Phantasieinteressen. Meistens bin ich in den Achtzigern geboren – wer möchte nicht gern jünger sein. Mein Nettohaushaltseinkommen ist natürlich immer so hoch, wie ich es mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorzustellen wage. Es kam sogar schon vor, dass ich mir rasch ein GMX-eMail-Konto einrichtete, nur für diese eine Stunde. Um sicher zu gehen, dass ich später nicht etwa ungewollt Werbung erhalte.

Damit bin ich wahrscheinlich der Supergau aller Online-Marketingexperten. Also für jene Leute, die zu ihren Werbekunden gehen und behaupten, sie könnten so zielsicher wie nie zuvor genau die potentiellen Kunden erreichen, für die ihr Produkt entwickelt wurde.

Sagen wir mal, ich melde mich durchschnittlich zweimal pro Jahr irgendwo an, um hier oder da reinzukommen. Dann konnten in den letzten zehn Jahren ...[mehr]


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Donnerstag, 28. Januar 2010 - 19:09 Uhr
Fietsers mit Biss
  von Kerstin Schweighöfer [E-Mail]

 

Zugegeben, anfangs habe ich mich etwas gesträubt. Radfahren im Winter, auf verschneiten oder gar vereisten Radwegen – das tat man einfach nicht, das stellte die Welt auf den Kopf. Doch der Anblick zahlloser Rentner und gebrechlicher Omas, die sich auch bei Schneesturm unverdrossen auf dem Sattel eine Spur durch den Tiefschnee bahnen, belehrte mich eines Besseren. „Stell’ Dich nicht so an!“ war ihre unmissverständliche Botschaft. Und so schwang auch ich mich auf den Sattel, um – zunächst mit Todesverachtung – zu demonstrieren, wie gut ich mittlerweile integriert bin. Der ultimative Einbürgerungstest!

Schliesslich lebe ich im Königreich der fietsers, die haben ihren eigenen Kreisverkehr, ihre eigenen Ampeln, ja, sogar ihre eigenen Schnellstrassen - schnurgerade und ohne Kreuzungen. Kurzum: Ein fietser, der auf sich hält, lässt sich vom Wintereinbruch nicht vom Sattel jagen. Dazu hat er viel zu viel Biss und Durchsetzungskraft. Dazu ist er ist er viel zu selbstbewusst – und viel zu frech! Vor allem in Amsterdam, vor den Amsterdamer fietsers warnt sogar das Fremdenverkehrsamt in seinen offiziellen Broschüren. 

Denn in der niederländischen Hauptstadt kommen die Radler von allen Seiten und haben gundsätzlich Vorfahrt. Bremsen ist für sie ein Fremdwort, dafür klingeln sie umso lauter, und so mancher Tourist kann sich ...[mehr]


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Donnerstag, 28. Januar 2010 - 05:57 Uhr
The early bird gets the worm...
Abgelegt unter: USA  von Renzo Ruf [E-Mail]

 

Obwohl sich die Amerikaner bekanntlich seit mehr als 200 Jahren dafür rühmen, dass sie die Weitsicht besaßen, sich von der britischen Monarchie loszusagen, pflegen sie immer noch einige royalistische Rituale. Die jährliche Rede zur Lage der Nation gehört in diese Kategorie. Ähnlich wie die Thronrede in London ist die Substanz der präsidialen Ansprache vor den Mitgliedern des Repräsentantenhauses und des Senats jeweils schnell wieder vergessen; die Rituale und die Popanz haben es aber in sich. In einem minutengenauen Fahrplan handelt die Hausherrin – die Parlamentspräsidentin Nancy Pelosi – jeweils aus, wer wann in den großzügigen Versammlungssaal marschieren darf. Zuerst sind die Abgeordneten dran, dann die Senatoren, schließlich folgen die beiden First Ladies, Jill Biden und Michelle Obama, die Obersten Bundesrichter sowie das Kabinett. Und dann ist der Stargast selber an der Reihe, der mit den Worten: «The President of the United States» begrüsst wird.

Nicht planen lässt sich, was sich nach dem offiziellen Willkommensgruß durch den Parlamentsbediensteten – pardon: durch den House Sergeant at Arms – abspielt: Minutenlang musste ...[mehr]


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