WhyNot! - Lifestyle im Handelsblatt | 05/2005
Mit Geld kann man in Russland alles kaufen. Außer dem ewigen Leben.
Obwohl, es gäbe da einen...
Für Schönheit und jugendliches Aussehen ist Pofessor Alexander Tepljaschin ein Spezialist. Seit mehr als zwanzig Jahren strafft, implantiert und gleicht er dort aus, wo die Schöpfung vielleicht etwas nachlässig war. Zwar kann die kosmetische Chirugie das Alter nicht ewig kaschieren, doch Professor Tepljaschin verspricht auch noch etwas anderes: Ein langes Leben, ein verlängertes Leben. "Zwischen fünf und 20 Jahren sind möglich", sagt Tepljaschin in einem Ton, als gäbe er gerade die Garantie auf einen Neuwagen.
Seinen Kunden rät er eines: "Investieren Sie nicht alles nur in Villen, Privat-Jets und teure Autos. Investieren Sie auch etwas in ihren eigenen Körper." Tepljaschin ist Chirurg, Forscher und in gewisser Weise auch Banker. Ein Mann für die Zukunft jedenfalls. In dem Labor seiner Schönheitsklinik "Beauty-Plaza" mitten in Moskau, hochoben in einem gläsernen Penthouse mit Blick auf den Kreml und nur zwei Fußminuten entfernt von der Zentrale des Geheimdienst FSB am Lubjanka-Platz, lagern tiefgekühlt die Stammzellen von mehr als Tausend seiner Patienten. In seiner Stammzellen-Bank verwahrt Tepljaschin die möglicherweise beste Investition für die Zukunft.
Zumindest in die eigene. Denn der russische Markt der Schönheit und ewigen Jugend ist lukrativ. Schließlich gibt es viele reiche Russen, die eigentlich alles haben, bis auf die Garantie, genau dieses möglichst lang genießen zu können. "Der Mensch lebt doch zu seinem Vergnügen", sagt Tepljaschin. "Wir verlängern ihm dieses Vergnügen."
Im Durchschnitt 25 000 Euro kostet den Kunden bei "Beauty Plaza" ein Schuss aus dem körpereigenen Stammzellreservoir. Der Preis hängt vom Körpergewicht ab, und der wiederum bestimmt die Menge an Stammzellen, die gespritzt werden müssen. Pro Kilogramm Körpergewicht eine Million herangezüchteter Stammzellen. Das reicht für einige Jahre. Sagt Professor Tepljaschin. Zum Beispiel die 54-jährige Patientin. "Vier Monate nach der Therapie, ein Aussehen wie eine 36-jährige."
Stammzellen sind der Jungbrunnen im Körper. Sie sorgen von sich aus dafür, dass fehlerhafte, kranke oder abgestorbene Zellen im Organismus ersetzt werden. Alternativ zu den omnipotenten aber ethisch umstrittenen embryonalen Stammzellen können adulte Stammzellen leichter dem Körper - zum Beipiel aus dem Knochenmark - entnommen, vermehrt und dem Körper wieder zugeführt werden. Aber noch brütet die internationale Forschungswelt über den Nutzen und die Heilungsmöglichkeiten von Krankheiten durch Stammzelltherapien. Professor Tepljaschin ist sich bereits sicher. "Ich habe eine Ärztin behandelt, die an Multipler Sklerose leidet und seit zehn Jahren im Rollstuhl sitzt", sagt er. "Inzwischen macht sie schon ihre ersten Schritte."
Er sitzt im weißen Kittel hinter seinem Schreibtisch aus Glas und schaut auf den Computer-Monitor. Ein Mausklick und er hat den Überblick über sein Vorzimmer. Er klickt sich durch seine Klinik, ins Labor, zurück ins Vorzimmer. Tepljaschin lächelt zufrieden.
Seine Methode zur Stammzellentnahme hat er sich soeben erst weltweit patentieren lassen. Ein kleiner Schnitt am Bauchnabel unter lokaler Narkose. Fünf Gramm Fettgewebe reichen. "Einfacher geht es nicht", sagt Tepljaschin. Im Labor wachsen aus ein paar Stammzellen in drei bis vier Wochen 100 Millionen heran. Nach abschließenden Gewebeuntersuchungen kann injiziert werden. Intravenös.
Vor zwei Jahren hat er sich bereits zum zweiten Mal eigene Stammzellen gespritzt. "Mein Gedächtnis ist besser geworden, die Hautallergie verschwunden, meine Haare wieder fester. Ich fühle mich viel fitter. Von der Potenz will ich erst gar nicht reden." Stammzelltherapie, sagt Tepljaschin, seidie natürlichste Methode zur Regeneriung des Körpers.
Rein rechtlich arbeitet der Professor in einer Grauzone. Laut russischem Gesetz dürfen Stammzellen zur medizinischen Behandlung von Krankheiten nur kostenfrei und unter staatlicher Kontrolle gespritzt werden. Doch altern ist keine Krankheit. Verjüngungskuren fallen nicht unter Heilbehandlung und damit nicht unter das Gesetz. "Und was nicht verboten ist, ist erlaubt." Sagt Professor Tepljaschin.